Full text: Der Stern der Erlösung

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ZWEITER TEIL: DRITTES BUCH 
daß schon dort gewissermaßen vor* oder unter=weltlich eine 
innere Selbstschöpfung, Selbstoffenbarung, Selbsterlösung 
jedes einzelnen Elements, Gott, Welt, Mensch, in sich selber 
geschah. So war, was wir dort am Und beobachteten, das 
gleiche, was wir jetzt für die Erlösung feststellen: daß erst in 
ihr das Fertigwerden geschieht. Noch deutlicher wird dies Ver 
hältnis, wenn wir uns nun auch in diesem Buch wieder der 
Welt zuwenden, in der unsre Grundbegriffe bloß kategoriale 
Geltung haben, der Kunst. 
Auch in der Kunst begreift die Erlösungskategorie das 
Eertigwerden. Die Schöpfungskategorien hatten durchweg 
den breiten Grund gelegt, indem sie den Bogen schlugen von 
einem irgendwie vorausgesetzten Ganzen zu einer der Kunst 
welt angehörigen Menge von Einzelheiten. Die Offenbarungs 
kategorien schlugen dann von dem gleichen vorausgesetzten 
Ganzen einen neuen Bogen, diesmal zur einzelnen Einzelheit, 
die dadurch gehaltvoll wurde. Von diesem gehaltvollen be 
seelten Einzelnen zum breiten Ganzen aller Einzelheit wölben 
nun die Erlösungskategorien den dritten Bogen, indem nun ein 
gehaltvoller beseelter Zusammenhang und dadurch ein im 
ästhetischen Sinn Fertiges, Abschließendes zustande kommt. 
Das Werk steht da in seiner Einmaligkeit, seiner Los 
gerissenheit vom Urheber, seiner unheimlichen lebensvollen 
und doch lebensfremden Lebendigkeit. Ja, es ist wirklich un= 
heimlich; es hat kein Heim, kein Zuhause; es weiß kein Dach 
einer Gattung, wo es unterkriechen könnte; es steht ganz für 
sich, — seine eigene Art, seine eigene Gattung; keinem an 
deren Ding, auch keinem anderen Kunstwerk verschwistert. 
Auch der Urheber gibt ihm keine Unterkunft mehr bei sich; er 
hat sich zu andern Werken gewandt; er ist ja mehr als alle 
seine Werke, ist die ganze Breite, aus der Werke hervorgehen 
können; das einzelne Werk ist sein, solange er sich damit 
trug; es ist für ihn erledigt, wenn er sich seiner entledigt hat. 
Kaum zum Genießen des eigenen Werkes ist er mehr fähig; an 
eigenen Kohlen wärmt er sich kaum je; eine Übersetzung etwa
        

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