Full text: Der Stern der Erlösung

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ZWEITER TEIL: DRITTES BUCH 
heit zur Bewegung, das Subjekt aus seiner Insichverschlossen- 
heit zur Tat erlöst. 
Unbestimmtheit also ist das Zeichen, unter dem die Tat der 
Liebe sich ihren Gegenstand zum Nächsten schafft. In der 
Schöpfung wurde das Bestimmte auf dem Hintergründe seines 
Unbestimmten im Zusammenwirken der beiden Artikel ge 
schaffen; in der Offenbarung wird das ganz und nur Be 
stimmte, der Eigenname des Einzelnen, der einzig in seiner 
Art, in seiner eigenen und nur ihm eigenen Art ist, angerufen. 
Jetzt erscheint das Unbestimmte, das Irgendeiner, als solches, 
ohne sich wie in der Schöpfung auf ein ihm zugeordnetes Be 
stimmtes, sein Besonderes, zu beziehen. Dennoch gilt auch für 
es eine Beziehung auf ein Bestimmtes. Aber dies Bestimmte 
ist ihm nicht unter-, sondern übergeordnet. Das vollkommen 
Unbestimmte des »Irgendeiner« bezieht sich auf ein ebenso 
vollkommen Bestimmtes, wie es selbst vollkommen Un 
bestimmtes ist. Vollkommen bestimmt aber ist nichts Ein 
zelnes, sondern nur das Ganze alles Bestimmten, das All. Aus 
diesem Zusammengehören des »Irgendeiner« und des »Alle 
Welt«, wie es durch die Liebe zum »Nächsten« getätigt wird, 
entspringt für die Welt der Erlösung eine Tatsächlichkeit, die 
durchaus der im Zusammenwirken des beschränkt Allgemeinen 
und beschränkt Besonderen für die Schöpfung bewirkten Wirk- e 
lichkeit entspricht. Die absolute Tatsächlichkeit, die für die 
Welt der Erlösung daraus hervorwächst, daß hier jeder grade 
mir Nächste mir vollgültig alle Welt vertritt, gerinnt nun in 
der Schlußstrophe des Gesanges, in der sich die zu Anfang 
einzeln wechselseitig jede die andern zum Danken auf 
fordernden Stimmen zum mächtigen Unisono des »Wir« 
einigen. 
Das Wir ist stets »Wir alle«. Jedenfalls: »Wir alle, die wir 
hier beisammen sind«. Das Wort Wir ist ja daher nicht ohne 
Geberde zu verstehen. Wenn einer Er sagt, so weiß ich, daß 
einer gemeint ist, und das gleiche weiß ich auch im Dunkeln, 
wenn ich eine Stimme Ich oder Du sagen höre. Aber wenn 
einer Wir sagt, so weiß ich, auch wenn ich ihn sehe, nicht, wen
        

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