Volltext: Der Stern der Erlösung

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ZWEITER TEIL: DRITTES BUCH 
meinschaft und dem Menschen in der Gemeinschaft noch nicht 
möglich, nur um das Kommen des Reichs zu beten; dies Gebet 
ist noch verdunkelt und verwirrt von mancherlei andern 
Bitten, um Vergebung der Sünde, um das Reifen der Erdfrucht, 
kurz um alles das, was die Rabbinen sehr tief als Bedürfnisse 
des Einsamen bezeichnen. Ja es sind Bedürfnisse des Ein 
samen. Wäre der Einzelne schon wirklich vereinigt mit aller 
Welt, wie er es in Preis und Dank vorwegnimmt, so würden 
all diese Bedürfnisse von ihm abgefallen sein. Sie sind das 
Zeichen, daß er das Erdöstsein von den Banden des Bedürf 
nisses in der allgemeinen Verbindung seiner Seele mit aller 
Welt in Preis und Dank nur vorwegnimmt und daß also die 
Erlösung ganz und gar ein noch Kommendes, Zukunft ist. 
Die Zukunft also hat hier die Bedeutung, die für die Offen 
barung die Gegenwart, für die Schöpfung die Vergangenheit 
hat. Aber während die Gegenwart für die Offenbarung ein 
Grundbegriff ist und also ganz zu Beginn der »Wechselrede« 
erschien, und die Vergangenheit für die Schöpfung der ab 
schließende Begriff war und also das Ziel der ganzen »Erzäh 
lung«, taucht die Zukunft für die Erlösung nur so mitteninne 
und fast nebenbei auf. Es ist eben für die Zukunft entschei 
dend, daß sie vorweggenommen werden kann und muß. Diese 
Vorwegnahme, dies Heute, diese Ewigkeit des Danks für 
Gottes Liebe — denn sie »währet ewiglich« —, Ewigkeit, wie 
wir es erklärten, nicht »sehr lange«, sondern »heute schon«: 
das ist der eigentliche melodische Inhalt der Strophe des ge 
meinsamen Gesangs, in der die Zukunft nur wie eine regel 
mäßig die Melodie umspielende Begleitfigur auftrat. 
Wenn nun ein Nochnicht über aller erlösenden Vereinigung 
geschrieben steht, so kann das nur dazu führen, daß für das 
Ende zunächst der grade gegenwärtige Augenblick, für das 
Allgemeine und Höchste zumächst das jeweils Nächste ein- 
tritt. Das Band der vollendeten und erlösenden Verbindung 
von Mensch und Welt ist zunächst der Nächste und immer 
wieder nur der Nächste, das zumächst Nächste. In den Gesang 
Aller fügt sich hier also eine Strophe, die nur von zwei ein
        

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