Full text: Der Stern der Erlösung

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ZWEITER TEIL: DRITTES BUCH 
fordert nur auf, um selber mit danken zu können; der Auffor 
dernde, indem er seine Seele und was in ihm ist, aufruft zu 
loben, ruft unmittelbar zugleich damit alle Welt auf, Meere 
und Flüsse und alle Heiden und die welche Qott fürchten: 
Lobet den Herrn! Schon was in ihm ist, gilt ihm ja, weil es 
»ist«, für ein Äußeres, das er erst aufrufen muß, und hinwieder 
um ist das Entfernteste, alle Welt, ihm kein Äußeres, sondern 
ein brüderlich mit ihm Einstimmendes in Lob und Dank. 
Lob und Dank, die Stimme der zum Einklang mit aller Welt 
erlösten Seele und der zu Mitsinn und Mitsang mit der Seele 
erlösten Welt — wie kann die Doppelstimme zur einen zu 
sammenklingen? Wie konnten sich die Getrennten finden, 
außer in der Einheit dessen, vor dem sie singen, den sie loben, 
dem sie danken? Was verbindet die eine Stimme des Auf 
fordernden mit aller Welt? Er ist verschieden von aller Welt, 
zweierlei Subjekte, zweierlei Nominative; und auch was er 
hat und sieht, ist verschieden von dem, was alle Welt hat und 
sieht, zweierlei Objekte, zweierlei Akkusative. Nur der, dem 
er dankt, der nicht Objekt für ihn ist und also an ihn gebunden, 
sondern ein ihm und allem, was für ihn Objekt werden kann, 
»Jenseitiges«, nur das ist der gleiche, dem alle Welt dankt; im 
gegen alles jenseitigen Dativ finden sich die Stimmen der dies 
seits getrennten Herzen. Der Dativ ist das Bindende, Zu 
sammenfassende; wem etwas gegeben wird, wie hier der 
Dank, der wird dadurch nicht Eigentum dessen, was ihm ge 
geben wird; er bleibt jenseits des Gebers, und weil er jenseits 
des einzelnen Gebers bleibt, so kann er der Punkt sein, wo 
alle Geber sich vereinigen können; der Dativ als dies wahrhaft 
Bindende kann das wahrhaft Lösende für alles unwahrhaft, 
alles unwesentlich Gebundene sein, das Erlösende, — Gott sei 
Dank. 
Im Dativ vereinigt sich aller Dank; der Dank dankt für die 
Gabe; indem Gott Dank gezollt wird, bekennt man ihn als den 
Geber und erkennt ihn als den Erfüller des Gebets. Das Gebet 
des Einzelnen, das Stoßgebet, war das Höchste, wozu sich der 
Einzelne als Einzelner aufschwingen konnte; aber die Erfül
        

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