Full text: Der Stern der Erlösung

17 
OFFENBARUNG 
HZ 
lischen Büchern anhebt mit einem Komparativ, — »besser 
denn Wein«; die Eigenschaft ist hier verglichene, also per 
spektivisch von einem alle andern Punkte verneinenden 
»Standpunkt« aus gesehene, nicht rein in ihrer Gegenständlich 
keit daseiende und da, wo sie ist, seiende. Jenes »besser« 
knüpft den Faden unmittelbar da an, wo ihn das vollendende 
»sehr gut« der Schöpfung fallen gelassen hatte. Das Wort 
»Ich« also ist nun der Grundton, der bald in der einen, bald, 
durch das Du übergehend, in der anderen Stimme unter dem 
ganzen melodisch=harmonischen Gewebe der Mittel- und 
Oberstimmen orgelpunktartig hinzieht. Es gibt in dem ganzen 
Buch nur eine einzige kurze Stelle, wo er schweigt; sie fällt 
gerade durch dieses augenblickliche Aussetzen des Grund 
basses, den man sonst infolge seiner Unaufhörlichkeit schon 
beinahe überhört, ungeheuer auf; so wie man sich des Tickens 
der Wanduhr erst bewußt wird, wenn sie plötzlich stillsteht. 
Es sind die Worte von der Liebe, die stark ist wie der Tod. 
Nicht willkürlich haben wir mit ihnen zuvor den Übergang 
aus der Schöpfung in die Offenbarung gekennzeichnet. Sie 
sind in diesem Kernbuch der Offenbarung, als welches wir das 
Hohe Lied erkannt haben, die einzige nicht gesprochene, son 
dern bloß gesagte Stelle, der einzige objektive Augenblick, die 
einzige Begründung. In ihnen ragt die Schöpfung sichtbar in 
die Offenbarung hinein und wird sichtbar von ihr überhöht. 
Der Tod ist das Letzte und Vollendende der Schöpfung — und 
die Liebe ist stark wie er. Dies ist das einzige, was über die 
Liebe gesagt, aus=gesagt, er=zählt werden kann; alles andre 
kann nicht »über« sie gesagt »werden«, sondern nur von ihr 
selber gesprochen. Denn sie ist ganz aktive, ganz persönliche, 
ganz lebendige, ganz — sprechende Sprache; alle wahren 
Sätze über sie müssen Worte aus ihrem eigenen Munde, ich- 
getragene, sein. Nur dieser eine Satz, daß sie stark ist wie 
der Tod, macht eine Ausnahme, ln ihm spricht sie nicht sel 
ber, sondern die ganze Welt der Schöpfung wird ihr über 
wunden zu Füßen gelegt; der Allesiiberwinder Tod und der 
eifersüchtig alles Gestorbene festhaltende Orkus sinken vor
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.