Full text: Der Stern der Erlösung

OFFENBARUNG 
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Das Ich des Selbstgesprächs ist noch kein »ich aber«, sondern 
ein unbetontes, eben ein, weil bloß selbstgesprächliches, so 
auch selbstverständliches Ich und also, wie wir es schon an 
dem »Lasset uns« der Schöpfungsgeschichte erkannten, in 
Wahrheit noch kein offenbares Ich, sondern ein noch im Ge 
heimnis der dritten Person verborgenes. Das eigentliche, das 
unselbstverständliche, das betonte und unterstrichene Ich kann 
erstmalig laut werden in dem Entdecken des Du. Wo aber 
ist ein solches selbständiges, dem verborgenen Gott frei 
gegenüberstehendes Du, an dem er sich als Ich entdecken 
könnte? Es gibt eine gegenständliche Welt, es gibt das ver 
schlossene Selbst; aber wo ist ein Du? Ja, wo ist das Du? 
So fragt Gott auch. 
»Wo bist Du?« Es ist nichts als die Frage nach dem Du. 
Nicht etwa nach dem Wesen des Du; das ist in diesem Augen 
blick noch gar nicht in Sehweite, sondern zunächst nur nach 
dem Wo. Wo überhaupt gibt es ein Du? Diese Frage nach 
dem Du ist das einzige, was von ihm schon bekannt ist. Aber 
diese Frage genügt dem Ich, sich selbst zu entdecken; es 
braucht das Du nicht zu sehen; indem es nach ihm fragt und 
durch das Wo dieser Frage bezeugt, daß es an das Dasein 
des Du glaubt, auch ohne daß es ihm vor Augen gekommen 
wäre, spricht es sich selber als Ich an und aus. Das Ich ent 
deckt sich in dem Augenblick, wo es das Dasein des Du durch 
die Frage nach dem Wo des Du behauptet. 
Sich selber entdeckt es — nicht etwa das Du. Die Frage 
nach dem Du bleibt bloße Frage. Der Mensch verbirgt sich, 
er antwortet nicht, er bleibt stumm, er bleibt das Selbst, wie 
wir es kennen. Die Antworten, die Gott ihm schließlich ab 
fragt, sind keine Antworten; kein Ich, kein »Ich bins«, »Ich 
habe es getan« antwortet der göttlichen Frage nach dem Du, 
sondern statt des Ich kommt aus dem antwortenden Munde 
ein Er=Sie=Es: der Mensch vergegenständlicht sich selbst zum 
»Manne«: das Weib, und zwar dieses ganz vergegenständ 
licht zum Weib, das dem Menschen »gegeben« ist, hat es 
getan, und dieses wirft die Schuld auf das letzte Es: die
        

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