Full text: Der Stern der Erlösung

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206 ZWEITER TEIL: ZWEITES BUCH 
indem es irgendwann einmal in der Zeit von dem Aufleuchten 
einer nicht einfürallemal geschehenen, sondern in diesem 
Augenblick geschehenden Offenbarung überstrahlt wird, erst 
damit wird ihm der Umstand, daß es einer Offenbarung das 
Dasein dankt, zu mehr als einem »Urmstand«, — zum inneren 
Kern seiner Tatsächlichkeit. Erst so, nicht mehr Zeugnis einer 
überhaupt geschehenen, sondern Äußerung einer im Augen 
blick »soeben« geschehenden Offenbarung, tritt das Ding aus 
seiner wesenhaften Vergangenheit in seine lebendige Gegen 
wart. 
Und indem dies »Aufleuchten« in der Länge der Zeit immer 
neu von Ding zu Ding weiterfließt, löst es die Dinge aus ihrer 
Nurgeschaffenheit und erlöst zugleich die Schöpfung von der 
dauernd über ihr schwebenden Angst eines Zurücksinkens in 
ihren Ursprung aus dem Nichts einer*, der göttlichen Ver 
borgenheit andrerseits. Die Offenbarung grade in ihrer un 
bedingten Augenblicksentsprungenheit ist so das Mittel, 
durch welches die Schöpfung im Gestalthaften befestigt wird. 
Der Schöpfer konnte noch hinter der Schöpfung ins gestalten 
reiche und grade deshalb selber gestaltenlose Dunkel zurück 
treten; es blieb ihm gewissermaßen immer die Flucht in die 
Vergangenheit des »Ursprungs«, wo er sich »bescheiden hinter 
ewigen Gesetzen verbergen konnte«; aber der Offenbarer 
in seiner allzeitlichen Gegenwärtigkeit kann ihn jeden Augen 
blick im Hellen, Offenbaren, Unverborgenen, eben in der 
Gegenwart festhalten, und indem er das tut, läßt er Gottes 
Verborgenheit endgültig ins Vergangene sinken; Gott ist nun 
gegenwärtig, gegenwärtig wie der Augenblick, wie jeder 
Augenblick, und damit fängt er an zu werden, was er als 
Schöpfer noch nicht wahrhaft gewesen war und was er auch 
jetzt erst zu werden anfängt: »tatsächlich«, wie die Götter der 
Heiden in der ummauerten Burg ihres Mythos. 
Es ist die Liebe, auf die alle hier an den Begriff des Offen 
barem gestellten Forderungen zutreffen, die Liebe des Lie 
benden. nicht die der Geliebten. Nur die Liebe des Liebenden 
ist diese jeden Augenblick erneute Selbsthingabe, nur er ver
        

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