Full text: Der Stern der Erlösung

ZWEITER TEIL: ERSTES BUCH 
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Schreibung des Welttageslaufs unsres Gestirns am Himmels 
gewölbe der Weltzeit, Beschreibung also jener Bahn, deren 
Elemente uns in der algebraischen Symbolik entstanden. Wir 
beschreiben die Bahn, die wir glauben, mit den Worten, denen 
wir vertrauen. Die Bahn zu glauben ist schwer, denn wir 
sehen nur jeweils den einzelnen Punkt, den wir erleben; aber 
die Sprache ist die wahrhaft »höhere« Mathematik, die uns aus 
dem einzelnen Punkt des selbsterlebten Wunders den ganzen 
Bahnverlauf des geglaubten offenbart; und ihr zu vertrauen ist 
leicht, denn sie ist in uns und um uns, und keine andre, wie sie 
uns von »außen« kommt, als wie sie aus unserm »Innen« dem 
»Außen« widertönt. Das Wort ist das gleiche wie es gehört 
und wie es gesprochen wird. Gottes Wege und des Menschen 
Wege sind verschieden, aber das Wort Gottes und das Wort 
des Menschen sind das gleiche. Was der Mensch in seinem 
Herzen als seine eigene Menschensprache vernimmt, ist das 
Wort, das aus Gottes Munde kommt. Das Wort der Schöp 
fung, das in uns tönt und aus uns redet, vom Stammwort an, 
das unmittelbar herauf aus der Stummheit des Urworts auf 
klingt, bis zur vollkommen vergegenständlichenden Erzähl 
form der Vergangenheit, das ist alles auch das Wort, das Gott 
gesprochen hat und das wir geschrieben finden im Buch des 
Anfangs. 
Es geht ein Satz durch das ganze Kapitel hindurch, das von 
dem Werk im Anfang berichtet. Ein sechsmal wiederkehrender 
Satz, nur ein einziges Wort lang, nur von einem Doppelpunkt 
eingeleitet. Der Satz heißt: »gut!«: es war und ist und wird 
— »gut«. In dieser göttlichen Bejahung des kreatürlichen Da 
seins besteht die Schöpfung. Dieses »gut!« ist das laute 
Schlußwort jedes Schöpfungstages, weil es nichts andres ist 
als das stumme Urwort seines Anfangs. 
Was ist »gut«? Was bejaht dies sechsfache göttliche Ja? 
Das Tagewerk je eines Schöpfungstages. Das Ding nicht ein 
fach als Ding, sondern als Werk, als gewirktes, das Dasein 
als Schon-Dasein. Das Dasein wird bejaht, indem Gott zu
        

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