Volltext: Der Stern der Erlösung

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ZWEITER TEIL: ERSTES BUCH 
gung« schon nahegelegt wird. Keines der großen idealisti 
schen Systeme hat diesen Begriff vermeiden können. Als 
»Ding an sich«, »Mannigfaltiges der Sinnlichkeit«, »Gegebenes«, 
als »Widerstand«, als »schlechte Unendlichkeit«, immer wieder 
taucht das Chaos vor der Schöpfung auf, ohne welches das 
absolute Subjekt keinen Grund hätte, aus sich und seiner Ab 
solutheit »herauszugehen«. 
Hier wird nun nebenher deutlich, was es mit dem Begriff 
der -»Schöpfung aus nichts«, den wir zuvor nicht recht ge 
brauchen konnten, auf sich hat. Er enthält die Leugnung des 
Chaos. Wir sehen, wie die Behauptung des Chaos bei jeder 
»vernunftgemäßen« Theorie des Ursprungs der Welt, sowohl 
bei der Erzeugung wie bei der Emanation, nicht zu umgehen 
ist, weil diese Theorien einen Weltbegriff nach dem Symbol 
A=B fordern, einen Weltbegriff also, wo das Besondere als 
Aussage, das Allgemeine als Aussagegegenstand gesetzt ist. 
Der Aussagesatz wird immer nur verständlich, wenn die Aus 
sage »schon länger« bekannt ist als ihr Gegenstand; so wird 
das Besondere hier zur Voraussetzung der Erzeugung des 
allgemeinen Daseins. Würden wir nun diesen Weltbegriff dem 
unsern entgegenstellen, wo das Besondere B der Aussage 
gegenstand und das Allgemeine A, das ja auch im Schöpfer ist, 
die Aussage bedeutet, so wäre ohne weiteres klar, wie die 
chaotische Fülle des Besonderen in der Schöpfung das Erst 
geschaffene ist und das Allgemeine die vom Schöpfer hinge 
stellten, »gegebenen« Gefäße, auf die das in der Schöpfung frei 
hervorsprudelnde Besondere abgefüllt wird. Bei einer echten 
Entgegensetzung der Weltbegriffe würde also der Begriff der 
»Schöpfung aus nichts« vollkommen am Platze sein. 
Aber wir nehmen eine solche Entgegensetzung nicht vor. 
Wir entwickeln die Schöpfung nicht als den wissenschaftlichen 
Weltbegriff; wie könnten wir ein Geschehen, das uns bloß 
zwei »Elemente« der Welt in Beziehung setzt und das dritte 
gar nicht berührt, schon als solches gelten lassen? Täten wir 
es, dann freilich wäre die Gegenüberstellung notwendig. Aber
        

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