Full text: Der Stern der Erlösung

iZ± 
ZWEITER TEIL: ERSTES BUCH 
sein Ursprung wieder »A (-A)«, und es selber sich »A (=B)«; 
jedem gilt zwar sein Dasein überhaupt genau wie der geschaf 
fenen Welt für sein zuerst und eigentlich Entstandenes; aber 
die Fülle seines Besonderen ist die Aussage, die Allgemein 
heit, in die als Voraussetzung — denn die Aussage muß immer 
»vor« dem Aussagegegenstand gedacht sein — jenes Dasein 
hineingeschaffen ist: der Weg der Emanation ist ein »Weg 
hinunter«, ein — um das gewöhnliche Gleichnis heranzuziehen 
— Ausstrahlen eines Lichts ins Dunkel, das also überall vom 
ersten Ursprung des Hervorströmens an schon vorausgesetzt 
wird und also im voraus gesetzt ist. Die Emanationslehre 
kann den Gedanken des Urchaos, der Urnacht, die älter ist als 
das Licht, der »Finsternis, die anfangs alles war«, nicht ent 
behren. 
Überdies aber befriedigt der Emanationsgedanke auch sonst 
nicht das Bedürfnis der Vernunft, die ihn hervorgerufen hat. 
Er hatte in zu unmittelbarer Gegenwirkung auf den ihm mit 
Recht unverdaulichen Schöpfungsgedanken den Schöpfergott 
durch den Erzeugergott ersetzt, ohne sich zu fragen, ob denn 
die reine Vernunft, in deren Dienst er stand, mit dieser Be 
setzung der Stelle des Erzeugers einverstanden sein durfte. 
War denn Gott nicht selber Gegenstand des Erkennens? Wie 
durfte man ihn dann vernünftigerweise als Ursprung an 
nehmen und ihn so dem Erkennen entziehen? Nein, auch Gott 
mußte erkannt und also aus dem Ursprung zu einem Inhalt 
des Inbegriffs alles Erkannten werden. An Stelle Gottes 
mußte ein anderer Ursprung der Welt, einschließlich also etwa 
auch Gottes, treten. Da aber die Welt selber, wie seit dem 
Aufkommen des Schöpfungsbegriffs der Offenbarung nicht 
mehr übersehen werden kann, nicht ihr eigener Ursprung ist, 
sondern gerade um ihrer Insichgeschlossenheit willen nach 
einem Ursprung außer sich verlangt, so kommt für die Stelle 
dieses Ursprungs in Frage nur noch — das Selbst. Aber frei 
lich nicht das Selbst, wie wir es als objektive, wenn auch 
blinde »Tatsächlichkeit«, »B=B«, kennen gelernt haben, sondern 
ein Selbst, das zwar ebenso nur in sich versenkt, aber rein
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.