Full text: Der Stern der Erlösung

SCHÖPFUNG 
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kann Fülle sein, weil sie da ist; das Dasein ist sie selbst, die 
Fülle ist ihre Erscheinung, die erste aller Aussagen über das 
Dasein. Das Stammwort liegt noch vor der Fülle der Eigen 
schaftsworte; das Chaos ist in, nicht vor der Schöpfung; der 
Anfang ist — im Anfang 1 . 
Dieses metalogische Weltbild, das durch den Gedanken der 
Schöpfung seine letzten Unklarheiten verliert, ist nun freilich 
deswegen kein »Beweis« für diesen Gedanken. Die Schöpfung 
macht die Welt restlos durchsichtig, ohne sie zu entwirklichen; 
als »Traum« nämlich etwa wäre die Welt zwar auch restlos 
durchsichtig, aber um den Preis ihrer Wirklichkeit, des in ihr 
selbst Einheimischseins ihres Sinns, der ja nur im Träumer 
läge. Aber die Schöpfung selbst wird nicht durch die Welt 
bewiesen. Schon allein, weil Gott mehr ist als bloß Schöpfer. 
Wollte man aus dem Weltbild, wie wir es geben, und der darin 
angelegten Forderung nach dem Schöpfer auf das Schöpfertum 
Gottes schließen, — man würde solchem Schluß mit Recht die 
Frage in den Weg werfen, wer denn Gott sei. Der Schöpfer 
selbst muß be=wiesen, nämlich in seiner Gänze ge-wiesen 
werden, um diese Frage zu beantworten. Der Schöpfer ist 
auch der Offenbarer. Die Schöpfung ist die Weissagung, die 
erst durch das Wunderzeichen der Offenbarung bestätigt wird. 
Es ist nicht möglich, die Schöpfung deswegen zu glauben, weil 
sie eine zureichende Erklärung des Welträtsels bietet. Wer 
von der Stimme der Offenbarung noch nicht erreicht ist, hat 
kein Recht, den Gedanken der Schöpfung, als wäre er eine 
wissenschaftliche Hypothese, anzunehmen. So ist es nur 
recht, daß, nachdem durch den offenbarten Gedanken der 
Schöpfung einmal das Fragwürdige des metalogischen Bildes 
der ungeschaffenen Welt zur Diskussion gestellt war, nun das 
Denken, das den Gedanken der Schöpfung sich nicht aneignen 
durfte, sich einen Ersatz dafür suchte. Wir sagten schon, daß 
die Emanationslehre des Spätaltertums als ein Versuch in 
dieser Richtung zu verstehen sei; zur Vollendung aber kam, 
wie wir ja auch schon ausführten, dies Streben erst in der 
idealistischen Philosophie.
        

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