Full text: Der Stern der Erlösung

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ZWEITER TEIL: ERSTES BUCH 
Merkmal der Schöpfung überhaupt. Die Kreatur ist ja nur 
der eine Pol im Gedanken der Schöpfung. Die Welt muß 
Kreatürlichkeit haben, wie Gott Schöpfermacht, damit die 
Schöpfung als der wirkliche Prozeß zwischen beiden sich 
ergeben kann. Im neugefaßten Begriff des Daseins mündet 
sowohl das Dasein der Welt wie die Macht Gottes zusammen: 
beide sind »schon da«; die Welt ist auf Grund ihrer Kreatür 
lichkeit, ihres immer neuen Geschaffenwerdenkönnens, schon 
gemacht; Gott hat sie auf Grund seiner ewigen Schöpfermacht 
schon geschaffen, und nur deshalb ist sie »da« und wird all 
morgendlich neu. 
Das ist der Grund, weshalb alle Begriffe, mit denen man 
die Wirklichkeit allgemein umfaßt, die Form der Vergangen 
heit anzunehmen suchen. Gleich der Begriff des »Grundes« 
und »Grund«-begriffes selbst, die »Ur«*sache, 'der »Ursprung«, 
die »Voraussetzung«, das »apriori«, — jedesmal wird die Welt 
in die Vergangenheit projiziert, um erkennbar zu werden. Der 
Gedanke des Naturgesetzes selber ist ausdrücklich als Gesetz, 
Gesetztes, Satzung gedacht; nicht auf die veränderliche 
Gegenwart wird das Geschehen reduziert, sondern alles, 
selbst das Gegenwärtige, der Augenblick der Bewegung, muß 
auf die Form der Ruhe, also der Vergangenheit, gebracht 
werden, wie es in der Differentialrechnung geschieht. Gar die 
Zukunft gilt als absolut ungeeignet, »unfruchtbar« für die Er 
kenntnis des Wirklichen. In dem Wort Bacons, auf das wir 
eben anspielten, der berühmten Diskreditierung der Zweck 
ursache, als welche »gleich einer Gott geweihten Jungfrau 
nichts gebiert«, schimmert nun schon das Bild durch, unter 
dem die geschaffene Welt wissenschaftlich begreifbar wird, 
wenn der Gedanke der Schöpfung umgangen und dennoch das 
in ihm aufgeworfene und durch die Beziehung der Schöpfung 
auf einen übergreifenden Zusammenhang auch wirklich gelöste 
Problem aufgenommen werden soll. Wir meinen das Titel 
bild des idealistischen Weltbilderbuchs, den Begriff der 
Erzeugung. 
Denn das metalogische Weltbild, in sich trotz seiner pla 
stischen Geschlossenheit unbefriedigt, verlangte nach einer
        

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