Full text: Der Stern der Erlösung

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ZWEITER TEIL: ERSTES BUCH 
Hervorgehens wäre das Fehlen der inneren Umkehr der »Vor 
zeichen«, des Umschlags der Weissagung in das Zeichen, der 
Schöpfung in die Offenbarung, durch das sich jene erst als 
Grund der Offenbarung, diese als Erneuerung der Schöpfung 
offenbart. Der Islam hat so weder die eine noch die andere, 
obwohl er mit beiden, wie er sie gefunden hat, prunkender 
Würde voll einherstolziert. 
Der Schöpfer Muhameds ist, wie wir schon erwähnten, 
»reich ohne alle Welt«. Er ist wirklich der Schöpfer, der es 
auch hätte unterlassen können zu schaffen. Seine Macht er 
weist sich wie die Macht eines orientalischen Gewaltherrschers 
nicht in der Schaffung des Notwendigen, nicht in der Befugnis 
zum Erlaß des Gesetzes, sondern in der Freiheit zur Willkür 
tat. Während höchst bezeichnend die rabbinische Theologie 
unsren Begriff der göttlichen Schöpfermacht formuliert in der 
Frage, ob Gott die Welt aus Gerechtigkeit und nicht vielmehr 
aus Liebe geschaffen habe. In der Erzeugung und Durchfüh 
rung des Rechts bewährt sich ja eben die Macht, wie wir sie 
als dem Schöpfer eigentümlich erkannt haben, die Macht, die 
aus innerer Notwendigkeit handelt und das Notwendige ver 
wirklicht. Das klare Gegenteil solcher Macht ist die Willkür; 
sie bewährt sich gerade in der Abwesenheit jedes inneren 
Zwangs, in der gleichmäßigen Freiheit, Recht wie Unrecht zu 
verwirklichen, eine Tat zu tun wie sie zu unterlassen. Die 
Willkür kennt keine Notwendigkeit. Sie setzt ihre Äußerun 
gen nicht mit unendlicher Notwendigkeit als ein gleich Not 
wendiges aus sich heraus, sondern jede einzelne Tat entspringt 
aus der kurzfristigen Laune des einzelnen Moments, nur diesem 
verhaftet und den unmittelbar vergangenen ebenso verleug 
nend, wie sich sträubend, mit der Tat dieses Moments irgend 
wie einen verpflichtenden Präzedenzfall für den nächstkünf- 
tigen Moment geschaffen zu haben. Ihre Unendlichkeit be 
währt sich nur darin, daß jeder künftige Moment die gleiche 
Freiheit zu all und jedem hat wie der gegenwärtige. Sie wird 
nie an dem Himmel über ihrem Werk den Regenbogen zum 
Wahrzeichen der Verpflichtung wölben, die Gesetze seines
        

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