Full text: Der Stern der Erlösung

VOM WUNDER 
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offenkundigen Gesetzen der wirklichen Worte, den Formen 
der Grammatik. Denn die Sprache ist wahrhaftig die 
Morgengabe des Schöpfers an die Menschheit und doch zu 
gleich das gemeinsame Gut der Menschenkinder, an dem jedes 
seinen besonderen Anteil hat, und endlich das Siegel der 
Menschheit im Menschen. Sie ist ganz von Anfang, der Mensch 
wurde zum Menschen, als er sprach; und doch gibt es bis 
auf diesen Tag noch keine Sprache der Menschheit, sondern 
die wird erst am Ende sein. Die wirkliche Sprache zwischen 
Anfang und Ende aber ist allen gemein und doch jedem eine 
besondere; sie verbindet und trennt zugleich. So umschließt 
die wirkliche Sprache alles, Anfang, Mitte und Ende, den 
Anfang als seine sichtbar gegenwärtige Erfüllung: denn die 
Sprache, von der wir sagen, daß sie den Menschen zum 
Menschen macht, ist heute in ihren zahllosen Gestalten sein 
sichtbares Kennzeichen; und das Ende: denn sie wird auch 
als einzelne Sprache von heute und selbst als Sprache des 
Einzelnen beherrscht von dem Ideal der vollkommenen Ver 
ständigung, das wir uns vorstellen unter der Sprache der 
Menschheit. So aber gliedern sich die Formen der Gram 
matik auch in sich selbst wiederum nach Schöpfung, Offen 
barung und Erlösung, nachdem die Sprachformenlehre als 
wirkliches Ganzes gegenüber dem Urgedanken der Sprache, 
der uns zum methodischen Organon der Schöpfung geworden 
war, zum Organon der Offenbarung wurde; die Offenbarung 
ist eben, weil sie im Wissen auf die Schöpfung gegründet, im 
Wollen auf die Erlösung gerichtet ist, zugleich Offenbarung 
der Schöpfung und Erlösung. Und die Sprache als ihr Or 
ganon ist zugleich der Faden, an dem sich alles Menschliche 
aufreiht, das unter den Wunderschein der Offenbarung und 
ihrer allzeit erneuten Gegenwärtigkeit des Erlebens tritt. 
Aber hier fühlen wir, daß wir uns, wie wir schon fürch 
teten, zu weit vorwagen und, von Unbekanntem sprechend, 
uns ins Unverständliche verirren. So brechen wir hier ab. 
Der Begriff des Erlebens in seiner unerschöpflichen Jugend 
verführt ohnehin auch ein ruhiges Denken leicht zu schwär-
        

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