Full text: Der Stern der Erlösung

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ÜBERGANG 
doch lichtlose Tatsächlichkeit der Elemente zerweht in die 
gespenstischen Nebel der Möglichkeit. Über dem grauen Reich 
der Mütter feiert das Heidentum den farbenklingenden Geister 
reigen seiner klassischen Walpurgisnacht. 
Das orgiastische Durcheinander des Möglichen ist so nur 
die äußerliche sichtbare Erscheinung der elementaren inneren 
Zerstückelung des Wirklichen. Wollen wir Ordnung, Klar* 
heit, Eindeutigkeit, — Wirklichkeit in jenen Taumeltanz des 
Möglichen bringen, so gilt es jene unterirdisch zerstückelten 
Elemente zusammenzufügen, sie aus ihrer gegenseitigen Aus 
schließlichkeit in einen klaren strömenden Zusammenhang zu 
bringen und, statt in der Nacht des Positiven zu »versinken«, 
wo jedes Etwas die Riesenformen des All annehmen möchte, 
wiederum aufwärts zu »steigen«. Aufwärts aber, zurück ins 
eine All der Wirklichkeit trägt uns nur der eine Strom der 
Weltzeit, der jene scheinbar ruhenden Elemente selber mit 
sich führt in rollender Bewegung, und der in dieser Bewegung 
von Weltmorgen über Weltmittag zu Weltabend die ins 
Dunkel des Etwas auseinandergestürzten Elemente des All 
wieder zusammenführt in dem einen Welttag des Herrn. 
Aber wie sollen die Elemente ins Strömen kommen? 
Dürfen wir den Strom ihnen von außen zuführen? Nimmer 
mehr, — dann wäre der Strom selber ein Element und die drei 
Elemente nicht die seinen. Nein, aus den Elementen selber 
muß die Bahn der strömenden Bewegung ihren Ursprung 
nehmen, und ganz und gar und nur aus den Elementen; sonst 
wären es nicht die Elemente, und unser Glaube an ihre Tat 
sächlichkeit, den wir bisher mutig zugrundelegten, würde 
nicht durch das Bild der bewegten Wirklichkeit, in der wir 
leben, bestätigt. Die Elemente selber müssen in sich die 
Kraft bergen, aus welcher Bewegung entspringt, und in sich 
selbst den Grund ihrer Ordnung, in der sie in den Strom ein- 
treten. 
In sich selbst sollen sie die Kraft tragen, aus welcher Be 
wegung entspringt? Aber wie denn, — gerade in ihrer Tat
        

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