Full text: Der Stern der Erlösung

ÜBERGANG 
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All. Da kann nur die Willkür, nur das Vielleicht Beziehungen 
behaupten; nein nicht behaupten, vermuten höchstens, und 
eine Beziehung, eine Ordnung so gut wie die andre. Viel 
leicht, vielleicht — es gibt keine Gewißheit, es gibt nur ein 
kreisendes Rad der Möglichkeiten. Wenn steigt über Wenn, 
Vielleicht sinkt unter Vielleicht. 
Und selbst im Innern der dreie herrscht das Vielleicht. 
Ungewiß bleibt hier nichts Geringeres als Zahl und Ordnung. 
Wenn jedes sich selber ein All ist, so trägt es in sich die Mög 
lichkeit zur Einheit so gut wie zur Vielheit. Im bloßen Sein 
ist alles möglich und alles nur möglich. Und was wir bisher 
fanden, war lauter Sein, lauter »Tatsächlichkeit«, etwas 
Großes gegenüber der reinen Ungewißheit des Zweifels: die 
Tatsächlichkeit des Göttlichen, Menschlichen, Weltlichen; 
etwas Geringes für das Verlangen des Glaubens. Den Glauben 
kann die bloße Tatsächlichkeit des Seins nicht befriedigen; er 
verlangt hinaus über dies Sein, in welchem innerhalb der einen 
Voraussetzung des Seins noch alles möglich ist; er verlangt 
nach eindeutiger Gewißheit. Die aber vermag das Sein nicht 
mehr zu geben. Erst die Beziehung, die als Wirklichkeit 
zwischen den Tatsachen des Seins vermittelt, erst sie be 
gründet eindeutige Zahl, eindeutige Ordnung. Das gilt schon 
in den einfachsten Verhältnissen. Ob etwa die Zahl 3 Einheit 
oder Vielheit ist, das wird erst bestimmt durch die Gleichung, 
in der sie auf andre Zahlen bezogen wird; erst die Gleichung 
bestimmt sie etwa als — 1X3 zur Einheit oder als = 3Xl 
zur Vielheit; vor der Gleichung ist sie bloßes Sein und als 
solches Integral, Allheit, Allmöglichkeit, zu bestimmen nur 
durch das absolut unbestimmte, alle Möglichkeiten in sich 
enthaltende Produkt aus °o und 0. Wie die Zahl, so die Ord 
nung. Ob das einzelne Sein, etwa der Punkt xi, yi, zi Element 
einer Geraden, einer Kurve, einer Fläche, eines Körpers, 
welcher Geraden, welcher Kurve, welcher Fläche, welches 
Körpers sei, all das bestimmt sich erst durch die Gleichung, 
die ihn zu X2, y2, Z2 in differentiale Beziehung bringt. Vor 
her ist der Punkt Allmöglichkeit, gerade weil er als feste
        

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