Full text: Dörnberg, Theodor Freiherr von - Eskuche, Konrad Daniel (Woringer-Kartei) (7)

als junger Amtsrichter nach Netra und von dort nach
Jahresfrist nach dem von Juristen vielbegehrten Gelnhausen.
Das Gelnhäuser Amtsgericht befand sich in dem alten
Fürstenhof. Von den Diensträumen führte eine steinerne
Wendeltreppe nach den großen sonnendurchfluteten Wohn-
räumen. Ein mauerumgürteter Hof und ein herrlicher Garten
mit uralten Akazien umgab das Gebäude. An der kalk-
beworfenen Südseite rankten sich riesige Weinstöcke empor,
die uns schon Anfang August zuckersüße Trauben spendeten.
Mein Vater wachte sorglich darüber, daß niemand außer
ihm die Trauben aberntete. Manchmal stand er während
der Schöffensitzung unruhig auf, wenn er verdächtige Ge-
räusche am Weinspalier hörte, und spähte aus dem Fenster.
Aber trotz scharfer Bewachung waren die unteren Trauben
stets abgefressen. Niemand wollte es gewesen sein. Endlich
erwischten wir unseren Dachshund Waldmann, wie er hoch-
sprang und die Beeren abstreifte.


der gestrenge Schulmonarch kein Ansehen. Während einer
Feier auf dem Schulhof brachte der Rektor das Kaiserhoch
aus. Aber als er das Gehege der Zähne zum dritten Hoch
öffnete, gab ein vorüberfliegender respektloser Adebar seine
Losung ab, die mit einem Riesenklatsch ausgerechnet auf der
Oberfläche des waagrecht ausgereckten Zylinders auseinander-
spritzte. Die Würde der Feier wurde durch dies von uns
Jungen mit Jubelgeheul begrüßte Intermezzo ernstlich in
Frage gestellt.
Das Schönste aus meiner Gelnhäuser Schulzeit waren die
alljährlich sommerlichen Schulfeste. Mit Musik und Fahnen
gings durch die Satdt, den "Dierich" hinauf zu einem
herrlichen Platz unter hohen Fichten. das war jedesmal ein
Volksfest, an dem ganz Gelnhausen teilnahm. Für uns
Jungens standen natürlich die Wettkämpfe im Vordergrund.
Die Großen schmetterten mit Keulen nach einem auf der

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