Full text: Kinder- und Hausmärchen

Abends trieb es seine Ziege heim, und .rührte das irdene Schuf 
selchen mit Essen, das ihm die Schwestern hingestellt hatten , gar 
nicht an, und am andern Lag zog es- wieder mit seiner Ziege hin 
aus, und ließ auch die paar Brocken, die ihm gereicht wurden, lie 
gen. Das erstemal und das zweitemal achteten es die Schwestern 
nicht, wie es aber jedesmal geschah, merkten sie auf und sprachen: 
„es ist nicht richtig mit dem Zweiäuglein, das laßt jedesmal das 
Essen stehen, und hat doch sonst alles aufgezehrt, was wir ihm 
gegeben, das muß andere Wege gefunden haben." Damit sie aber 
hinter die Wahrheit kämen, sollte Einäuglein mitgehen, wenn 
Zweiäuglein auf die Weide gieng, und sollte Acht haben, was es da 
vorhätte, und ob ihm jemand etwa Essen und Trinken brächte. 
Als nun Zweiäuglein die Ziege wieder hinaustrieb, trat 
Einäuglein zu ihm und sprach: „ich will mitgehen und sehen, 
daß die Ziege auch recht gehütet und ins Futter getrieben 
wird." Aber Zweiäuglein merkte, was Einäuglein im Sinne 
hatte, und trieb die Ziege hinaus in hohes Gras und sprach: 
„komm, Einäuglein, wir wollen uns hinsetzen, ich will dir 
was vorsingen." Einäuglein setzte sich hin, und war von dem 
ungewohnten Weg und von der Sonnenhitze müd, und Zwei- 
äuglein sang immer: 
„Einäuglein, wachst du? 
Einäuglein, schläfst du?" 
Da that Einäuglein das eine Auge zu, und schlief ein. Und
	        

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