Full text: Kinder- und Hausmärchen

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nicht sagen, wem von euch der Vorzug gebührt. Wenn ihr 
nur eure Kunst bald anwenden könnt!" Nicht lang darnach 
kam ein großer Lärm ins Land, die Königstochter wär von 
einem Drachen entführt. Der König war Tag und Nacht 
darüber in Sorgen, und ließ bekannt machen: „wer sie zu 
rückbrachte, sollte sie zur Gemahlin haben." Die vier Brü 
der sprachen unter einander, das wäre eine Gelegenheit, wo 
wir uns könnten sehen lassen/ und beschlossen, die Königs 
tochter zu befreien. „Wo sie ist, will ich bald wissen," 
sprach der Sterngucker, schaute durch sein Glas, und sprach: 
„ich sehe sie, sie sitzt weit von hier, auf einem Felsen im 
Meer, bei dem Drachen, der sie hütet." Da gieng er zudem 
König, und bat ihn um ein Schiff für sich und seine Brüder, 
und fuhr mit ihnen fort, und über das Meer, bis sie zur 
Stätte hinkamen. Die Königstochter saß da, und der Drache 
lag in ihrem Schooß uud schlief; der Jager sprach: „ich darf 
ihn nicht schießen, ich würde die schöne Jungfrau zugleich töd- 
tcn." „So will ich mein Heil versuchen," sagte der Dieb, 
und stahl sie unter dem Drachen weg, so leis und behend, daß 
das Unthier nichts merkte, sondern fortschnarchte. Sie eilten 
voll Freude mit ihr aufs Schiff, und segelten in das Meer 
hlnein, da kam der Drache, der wach geworden war, und die 
Königstochter nicht mehr gefunden hatte, hinter ihnen her und 
schnaubte wüthend durch die Luft; als er gerade über dem
	        

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