Full text: Kinder- und Hausmärchen

141 
her Wolf, ich weiß dir einen herrlichen Fraß." „Wo ist der 
zu holen?" sprach der Wolf. „In dem und dem Haus, da 
mußt du durch die Gosse hinein kriechen, und wirst Kuchen, 
Speck und Wurst finden, so viel du essen willst," und be 
schrieb ihm genau seines Vaters Haus. Der Wolf ließ sich das 
nicht zweimal sagen, drängte sich in der Nacht zur Gosse hin 
ein, und fraß in der Vorrathskammer nach Herzenslust. Als 
er satt war, wollte er wieder fort, aber er war so dick ge 
worden, daß er denselben Weg nicht wieder hinaus konnte. 
Daumesdick hatte eben darauf gerechnet, und sieng nun an, 
in dem Leib des Wolfs einen gewaltigen Lärmen zu machen, 
tobte und schrie, was er konnte. „Willst du still seyn! sprach 
der Wolf, du weckest die Leute auf." „Ei was, antwortete 
der Kleine, du hast dich satt gefressen, ich will mich auch lu 
stig machen!" und sieng von neuem an aus allen Kräften zu 
schreien. Davon erwachte nun sein Vater und seine Mutter, 
liefen an die Kammer und schauten durch die Spalte hinein. 
Wie sie sahen, daß ein Wolf darin hauste, erschraken sie, und 
der Mann holte die Axt und die Frau die Sense. „Bleib 
dahinten, sprach der Mann, als sie in die Kammer traten, 
wann ich ihm einen Schlag gegeben, und er ist noch nicht todt, 
daß du auf ihn haust, und ihm den Leib zerschneidest." Da 
hörte Daumesdick die Stimme seines Vaters, und rief: „lie 
ber Vater, ich bin hier, ich stecke im Leibe des Wolfs!"
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.