Full text: Das wirtschaftliche Gemüsehaus

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Unter welchen Verhält 
nissen werden Glas 
häuser zweckmäßig er 
richtet ? 
In der Nähe von 
Industriewerken 
Leegmoorflächen 
mit Gelegenheit 
zur Brenntorf 
gewinnung 
Orte mit beson 
ders günstigen 
Absatz Verhält 
nissen 
Schon oben ist darauf hingewiesen worden, daß das bei der Abtorfung 
oder Verfehnung von Hochmoor gewonnene Leegmoor wegen seiner Zu 
sammensetzung und seinen Wasserstandsverhältnissen für Glaskulturen 
besonders geeignet sei. Selbstverständlich kann aber jede andere Bodenart 
mit größeren oder geringeren Kosten für diesen Zweck ebenfalls geeignet 
gemacht werden. Der Boden wird im allgemeinen auf eine Tiefe von 1 m 
rigolt werden und, falls er an sich arm an Nährstoffen ist, durch Untergrund 
düngung, reichliche Zufuhr von organischen Stoffen nsw. verbessert werden 
müssen. Da es sich um eine verhältnismäßig kleine Fläche handelt, werden 
sowohl die Kosten dieser Verbesserung, als auch diejenigen der etwa not 
wendig werdenden Regulierung der Wasserverhältnisse nicht allzusehr ins 
Gewicht fallen. 
Die Frage, an welchen Stellen zweckmäßig die Glashäuser zu errichten 
sind, in denen die zur Vermeidung der großen Einfuhr zu erzeugenden 
Mengen von Gurken und Tomaten gewonnen werden, ist also dahin zu 
beantworten, daß sie in erster Linie in Verbindung mit großen Industrie 
werken erstellt werden sollten, um eine möglichst große Ersparnis an Heiz 
kosten zu erzielen. Dampfkraftwerke, die ähnlich wie das Werk in Wies- 
moor über Abfallwärme und in der Nähe befindlichen Kulturboden ver 
fügen, sollten sich daher die Einrichtung von Gemüsetreibhäusern angelegen 
sein lassen. Überland-, Kreis-, Städtische und andere Elektrizitätswerke, 
Eisen- und Stahlwerke, Brennereien, Molkereien, Sägewerke, Torf werke, 
Konservenfabriken, Bergwerke, Papierfabriken u. a. m. kommen hierbei in 
Frage. 
Diese Möglichkeiten sollten ihrem ganzen Umfang nach ausgeschöpft 
werden. Es ist dabei nicht notwendig, daß sich die Werke selbst mit dem 
Gewächshausbetrieb befassen, vielmehr wird eine Arbeitsteilung 
vielfach in der Weise angezeigt erscheinen, daß das Gelände von 
den Werken nur aptiert und dadurch kleineren oder 
größeren gärtnerischen Unternehmern Gelegenheit 
zur Pachtung des aptierten Geländes geboten wird. 
Weiterhin kommen in Betracht die Leegmoorflächen, die nicht in der 
Nähe von großen industriellen Werken gelegen sind. Diese Leegmoorflächen 
kommen fast immer in Verbindung von nicht abgetorften Moorflächen vor. 
Da der an Ort und Stelle gewonnene und ebenda zum Verbrauch kommende 
Torf ein sehr billiges Brennmaterial darstellt, wird sich auch an solchen 
Örtlichkeiten, sofern die Verkehrslage einigermaßen günstig ist, vorteilhafte 
Gelegenheit zur Anlage von Gewächshauskulturen bieten. Und schließlich 
wird überall dort, wo günstige Absatzverhältnisse vorhanden sind und gute 
Böden mit alter Kultur Verwendung finden können, die Anlage von Ge 
wächshauskulturen empfehlenswert sein, ohne daß einer jener Vorteile, ver 
fügbare Abfallwärme und die Möglichkeit der Gewinnung billigen Brenn 
materials, ausgenutzt werden kann. 
Alle Kreise der Bevölkerung, die nach ihren persönlichen und wirtschaft 
lichen Verhältnissen dazu berufen erscheinen, werden daher dringend auf 
gefordert, sich an der Lösung der geschilderten nationalen Aufgabe zu 
betei I igen. Gerade in dem in Rede stehenden Teil der 
Produktion läßt sich eine besonders große Zahl von 
neuen Nahrungsstellen, also von neuen Existenzen 
gründen, und in einer Zeit, in der die Klagen über Arbeitslosigkeit und 
mangelnde Verdienstmöglichkeit nicht verstummen wollen, sollte diese Auf 
gabe von allen Seiten mit besonderer Energie in Angriff genommen werden. 
Dabei kann als feststehend angesehen werden, daß es sich nicht um die 
Befriedigung einer vorübergehenden Konjunktur, sondern um die Begrün 
dung dauernder Existenzen handelt, da der Verbrauch der fraglichen 
Erzeugnisse noch für lange Zeit stark im Steigen begriffen sein dürfte. 
Dr. Steiger, Landwirtschaftsminister.
	        
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