Full text: Das wirtschaftliche Gemüsehaus

J 
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Yerkehrs- und 
T ar ifwesen 
Statistik 
Kredit 
worden, der aber bei der Ungunst der heimischen klimatischen Verhältnisse 
nicht ausreichend erscheint. Von einer möglichst weitgehenden Berücksich 
tigung dieser Verhältnisse wird auch in der Zukunft nicht abgesehen werden 
können. 
Je schneller und je frischer die in Rede stehenden Erzeugnisse von der 
Hand des Erzeugers in die des Verbrauchers kommen, desto besser wird der 
Absatz sein. Dies ist das einzige Moment, in dem der inländische Produzent 
dem ausländischen gegenüber im Vorteil ist. Er wohnt näher am Orte des 
Verbrauchs als der Ausländer, er kann daher seine Früchte reifer werden 
lassen und in besserer Qualität anbieten. Die R e i ch s e i s e n b a h n wird 
im übrigen in hohem Maße zur Förderung unserer Bestrebungen beitragen 
können. Dies dürfte unter Wahrung der eigenen Interessen der Bahnver 
waltung erreichbar sein. Vor allem muß aber jede Begünstigung des Aus 
landes, wie z. B. durch Einräumung eines Reexpeditions Verkehrs 
oder ähnlicher Vorteile, vermieden werden. Das Wesen und die den aus 
ländischen Erzeugern speziell durch den Reexpeditionsverkehr zugute kom 
menden Vergünstigungen bestehen in folgendem: 
Die Expedition in den Ausfuhrländern wird von besonderen Kommis 
sionären bewirkt, die der dortigen Eisenbahnverwaltung die Beladung einer 
bestimmten Wagenzahl in einer bestimmten Zeit zusichern. Dafür erhalten 
sie billigere Frachtsätze und schnellste Beförderung zunächst bei der Fahrt 
durch das Ursprungsland. Ähnliche Vergünstigungen werden aber auch von 
der deutschen Reichsbahn für solche umfangreiche Sendungen gewährt. 
Zunächst wird der Umschlag nicht an der Grenze, sondern am Reexpeditions- 
orte vorgenommen, wo über die Gemüsesendungen, nachdem sie besichtigt, 
geprüft und nötigenfalls durchgelesen sind, weiter verfügt wird. Der größere 
Teil der Sendungen (i. J. 1924 etwa 70 %) geht weiter an andere deutsche 
Verbrauchsorte. Der kleinere Teil, namentlich derjenige, der sich wegen 
mangelnder Beschaffenheit nicht mehr zum Weiterversand eignet, wird mit 
größter Beschleunigung im Straßenhandel oder in Konservenfabriken ver 
wertet, wozu sich in der Großstadt viel leichter Gelegenheit bietet, wie in 
der kleinen Grenzstadt. Hierunter leidet der in der Nähe der Reexpeditions- 
orte lebende inländische Erzeuger ganz besonders. So fängt München die 
über den Brenner, und Frankfurt a. M. die über Basel kommenden italieni 
schen Erzeugnisse auf. Für die weiter gesandten Waggons wird die Fracht 
so berechnet, wie wenn sie vom Grenzort unmittelbar nach ihrem letzten 
Bestimmungs- und Verbrauchsort gelangt wären. Nicht nur der etwaige mehr 
oder minder große Umweg bleibt außer Berechnung, sondern es kommt auch 
für die Gesamtentfernung ein niedrigerer Tarifsatz zur Anwendung, als 
wenn die Teilstrecken im einzelnen berechnet würden. 
Für Deutschland kommt eine nennenswerte Ausfuhr noch nicht in Betracht. 
Es darf aber billigerweise erwartet werden, daß die 
hereinkommende Auslandsware nicht schneller und 
billiger befördert wird, wie die inländischen Er 
zeug n i s s e. 
Weiterhin muß das Augenmerk der Reichs -und Landesstatistik 
mehr als bisher auf diesen Gegenstand gerichtet werden. Es muß zunächst 
festgestellt werden, welche Flächen im freien Land und unter Glas in 
Deutschland mit Gemüse bebaut werden, um rechtzeitige Anhaltspunkte für 
die Beurteilung der zu erwartenden Erntemengen zu gewinnen. Diesem 
Mangel muß dadurch abgeholfen werden, daß die Statistik gleich im Früh 
jahr nach der Bestellung einsetzt und möglichst jeden Monat nach dem Stand 
der Kulturarten ergänzt wird. Nur so kann der Handel in die Lage gesetzt 
werden, rechtzeitig den Absatz vorzubereiten und evtl, die zur Ergänzung 
der eigenen Erzeugung vom Ausland hereinzuführenden Mengen zu be 
rechnen bzw. zu bemessen. 
Schließlich kommt auch, wie später gezeigt werden wird, namentlich für 
die Kulturen unter Glas, die Gewährung öffentlichen Kredites in Frage. 
Nicht als ob dessen Gewährung eine unerläßliche Voraussetzung wäre. Aber
	        

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