Full text: Frankfurter Musenalmanach (1781)

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Frau Gretchen gleng mit ihm — folgt ihm 
mit Blicken; 
Das fromme Lamm! 
Und da fällt auf einmal der Steg in Stücken, 
Und er in Schlamm. 
Kunz kömmt, und ruft — als Gretchen 
just am Strande 
Die Hannde wand — 
Ich seh die Falle war in gutem Stande, 
Die ich erfand. 
Co hab' ich mich doch nicht umsonst bemühet, 
Komm nur heraus. 
Er zerrt ihn aus dem schwarzen Schlamm, 
und ziehet 
Ihn drauf ins Haus. 
Sucht mit dem Stock da Konrad abzusäubern, 
Der sich nicht wehrt. 
So lohnt man, spricht er, den Galan, der 
Weibern 
Die Untreu lehrt- 
Nun 
Nun läßt er den gestraften Buhler laufen, 
So lief der nie! 
Und geht zu Gretchen, ohne zu verschnaufen, 
Die heult' und schrie. 
Sie warf aus Angst sich vor ihm auf die 
Erde — 
Doch rührt's ihn nicht. 
Er schärst ihr ein — trotz mancherley Ge« 
Herde — 
Der Treue Pflicht. 
Sie sagte schluchzend, da sie es erduldet : 
Ach lieber Mann, 
Du hast das Unrecht mehr als halb ver 
schuldet , 
Das ich gethan. 
Du gehst so oft zur Schenke, um zu zechen, 
Ich bin allein! 
Und unser eins mag gerne schäkern, sprechen, 
Und lustig seyn.
	        

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