Full text: Frankfurter Musenalmanach (1781)

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«Doch, wühlst du hier den Kelch in mei« 
>. ner Linken, 
»Wird jede Süßigkeit 
«Und jede Erdeulust, im Rosenkleid, dir 
„ winken, 
«Die diese Welt dir beut- 
«Rang, Hoheit, Ruhm wird jedes Glück 
«dir reichen, 
«Froh wird dein Leben blühn; 
5, Die Tugend nur allein wird weinend von 
« dir weichen, 
«Und scheu zurücke fliehn. 
,, Denn, nie wird sie in einem Busen 
wohnen, 
«Den irrdsche Lust berauscht, 
„Und eines Mannes Herz-mit sanften Freu« 
«den lohnen, 
», Der sie um Laster tauscht. 
„Und, 
( i*7 > 
«Und, daß er nur der Wollust Glück er« 
„ reiche, 
«Sein Herz zu Lastern stahlt, 
«Gern seine Feßeln tragt — Dein künft'ges 
«Leben zeige, 
«Was du dir jetzt gewählt." 
So sirrach der Geist, und floh mit Engel» 
wehen 
Und wandte seinen Blick 
Hoch über meinem Haupt, aus lichten Ster» 
nenhöhen 
Noch hinter sich zurück; 
Und eilte schon dem Himmel zuzuschweben 
Als ich noch zitternd stand, 
Und ferne Ahndungen, und nie gefühltes 
Leben 
In meiner Brust empfand.
	        

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