Full text: Frankfurter Musenalmanach (1781)

Schmach- 
Am 
Die Verwandlung. 
Ä/ietamorphosirte nur 
Bey der buntbcmooßten Quelle 
Mich dir gütige Natur 
An des blauen Veilchens Stelle: 
An die Stelle , wo so oft,' 
Wenn der Mond am Himmel bleichet. 
Ihm vertraut und unvcrhoft 
Lilla ihre Reize zeiget: 
Voller Demuth schielt' ich dann 
Durch die fcischg keimten Blätter, 
Nickte sie um Mitleid an, 
Wie Ovid die Liebesgötter: 
Bläulich, wie ihr Auge lacht, 
Lockend, wie die Nachtigallen, 
Frisch, wie ihrer Wangen Pracht, 
Wollt' ich ihr entgegen fallen. 
( ) 
Schmachtend und ohn' Unterlaß 
Duften nur um ihrentwillen, 
Und vom Thau der Thränen naß 
Meinen ganzen Kelch enthüllen. 
Bückte sie sich dann zu mir, 
Eilte sie, mich abzupflücken, 
Und mit feuriger B gier 
Ihre Vrusi mit mir zu schmücken: 
Nährte sie mit Wasser mich, 
Sprach sie: Liebes, kleines Veilchen, 
Dufte du allein für mich, 
Ach! und blühe noch ein Weilchen! 
So durch Lillas Lieb erhöht 
Stürb' ich noch vor ihren Augen, 
In des Himmels Blumenbeet 
Neues Leben einzusaugen. 
Stockmann.
	        

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