Full text: Frankfurter Musenalmanach (1781)

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Da liegen Schädel mit vcrloschnen Blicken, 
Die ehnials hoch hcrabgedroht, 
Der Menschhüt Schrecken, dann an ihren 
Nicken 
Hing Leben oder Tod. 
Nun ist die Hand hinweg! gewelkt zum 
Knochen, 
Die oft mit kaltem Fedcrzug, 
Den Weisen, der am Thron zu hart ge» 
fprochen, 
In harte Feßeln schlug. 
Zur morrschcn Ripp ist nun die Brust ge« 
worden,' 
Einst eingehüllt in Goldgewand, 
Woran ein Stern, und ein entweihter Orden 
Wie zwey Kometen stand. 
Vertrocknet und verfault sind die Kanäle, 
Wo geiles Blut wie Feuer floß, 
Das schaumend Gift der Unschuld in die Seele 
Wie in den Körper goß. 
Sprecht, 
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Sprecht, Höflinge, mit Ehrfurcht auf der 
Lippe, 
Nur Schmeichele!) ins taube Ohr, 
Beränchert das Dura-lauchtige Gerippe 
Mit Weihrauch, wie zuvor! 
Es steht nicht auf, euch Beyfall zuzulächeln, 
Und wiehert keine Zoten mehr, 
Damit beschminkte Zofen ihn bcfächeln, 
Schamlos und geil, wie er. 
Sie, die in erznen Busen niemals fühlten 
Die Schrecken der Religion, 
Und Gottgeschafne beßre Menschen hielten 
Für Vieh, bestimmt zur Frohn. 
Die das Gewißen, jenen macht'gen Klager, 
Der unsre Schulden niederschreibt, 
Durch Trommelfchlag, durch welsche Tril» 
kerfchlager 
Und Jagdhorn übertäubt» 
G 3 Dis
	        

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