Full text: Frankfurter Musenalmanach (1781)

X 84 ) 
( 8s ) 
Drum 
Ueber 
Hattest Augen, flammenreich, 
Welche jedes Herz versengten, 
Grübchenwangen, zart und weich , 
Wo sich Weiß und Roth vermengten. 
Feine Nase, zierlich Kin. 
Aber — wo ist alles hin? 
Knochen sind nur noch zu s-hn, 
Welche die Verwesung schonte. 
Lange, gelbe Zähne stehn, 
Wo sonst schlaues Lächeln trohnte. 
Und wo Ras' und Auge war, 
Sind jezr große Löcher gar. 
Wo ist Spur der Stirne dann? 
Haut und Haare sind verschwunden! 
Und wer sieht den Knochen an, 
Ob sie zarte Haut umwunden? 
Ob ins Fleisch, daü sie geschmückt , 
Eich ein Grübchen eingedrückt? 
Drum! wie thöricht sind die nicht, 
Die nicht ihre Seele schmücken, 
Nur auf Wuchs und Angesicht, 
Und auf's Kleid, im Spiegel blicken. 
Da doch einst der Leib zerfällt, 
Nur die Seele sich erhält. 
Reinlich sey ein jedes Weib, 
Um dem Gatten zu gefallen. 
Putz ist Mädchen-Zeitvertreib, 
Macht sie oft ins Auge fallen. 
Aber denkt an mein Gedicht, 
Und versäumt die Seele nicht! 
Und wenn eine Dame spührt, 
Daß ihr Nachttisch Schaden stifte; 
Setze sie — daß Ernst sic rührt — 
Sich, zu einem Gegengifte, 
Neben ihren Kräutertvpf 
Einen gelben Todtenkopf! 
Philippine Gatterer.
	        

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