Full text: Frankfurter Musenalmanach (1781)

( 82 ) 
Auch bin ich so häßlich nicht, 
Daß man ruft: Ei Gott bewahre! 
Weiß und roth ist mein Gesicht; 
Und dann kleiden blonde Haare. 
Zwar die Augen sind nur grau, 
Aber lebhaft doch und schlau. 
In dem frischen Munde hin 
Glänzen Zähne glatt geschlichtet. 
Und das Grübchen hat mein Kin, 
Das (wie Hagedorn berichtet) 
Jeder, die sein Wink beglückt, 
Amors Finger eingedrückt. 
Zwar wacht griechischer Kontur 
Mich nicht schön wie Ideale — 
Doch was thut das? Wenn ich nur 
Immer nur von weitem strale. 
Wer, stak Anmut, Kegeln schlürft — 
Mage doch, daß mich der verwirft! 
Bin ich doch noch jung und frisch; 
Kurz, ein ziemlich hübsches Mädel. — 
Halt! was warf ich da vom Tisch? — 
Ach! den alten Menschen> Schädel! — 
Schwestern, kam von ohngefähr 
Er auf meinen Putztisch her? 
Hört doch an, wie wunderbar! 
Daß die Kinder sich drum hetzten; 
Und ihn, in der Unschuld, gar 
Her zu Band und Blumen setzten- 
Warlich l Einem weisen Mann 
Stände es als Satyrs an. 
Armer Kopf: Du bist vielleicht 
Rest von einer jungen Dirne. 
Du , der jezt die Schwachen scheucht, 
Haktest eine Götteistirne; 
kippen, purpurn um den Rand; 
Zähne, wie ein Perlcnband.
	        

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