Full text: Konrad Wallenrod

Noch immer sich an ihrem Fenster zeiget 
Ein ausgestreckter Arm;.weiß, wie Gewänder, 
Im Winde flatternd, weht es in das Thal. 
„Sie sank hinab!" zu Halban voller Sorgen 
Spricht Alf im Schießthurm, zeigt zur Sonne hin. 
Einschloß er sich im Thurm seit jenem Morgen, 
Und schaut hinüber nach der Klausnerin. 
„Freund, halte Schwert und Mantel mir bereit, 
„Ich geh' zum Thurm — Lebwohl! auf lange Zeit — 
„Vielleicht — auf immer! Halban, hör' mich an: 
„Bin morgen ich, eh' es beginnt zu tagen, 
„Nicht heimgekehrt, verlaß die Wohnung dann. 
„Noch etwas hab' ich heut' Dir auszutragen: 
„Verwaist — nicht im, noch unterm Himmel, schau', 
„Hab' Jemand ich in meiner letzten Stunde — 
„Nur sie und Dich, dem ich mich anvertrau'! 
„Halban, lebwohl!... Ihr ward schon längst die Kunde.. 
„Wirf Morgen früh das Tüchlein, wenn zuvor... 
„Doch horch! Was ist das? ... horch! Man pocht 
an's Thor!" 
Des Wächters „Werda?" dreimal schallbem Schwarme, 
Und: „Wehe!" rufen Stimmen, dumpf und schwer; 
Zu widersteh'n den Schlägen solcher Arme 
Vermag das Thor nicht, noch der Wächter mehr.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.