Full text: Konrad Wallenrod

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Statt Ungewißheit trügen — wär' die Wahl — 
Sie alle lieber der Verzweiflung Qual. 
Der Herbst verrann. Der Winter naht mit Stürmen, 
Und wieder glänzt der Himmel weit in's Land, 
Schneemassen sich im Weg zu Bergen thürmen; 
Ist das ein Nordlicht? Oder Schlachtenbrand? 
Schon sichtbar leuchten Flammen weit umher! 
Des Himmels Roth sich nähert mehr und mehr. 
Die von Marienburg am Wege steh'n: 
„Seht! Wandrer! Ist das Konrad? Sind das Krieger? 
Sie waten durch den Schnee — weit ist's zu sehn. — 
Wie grüA man sie? Als Flüchtlinge? Als Sieger? 
Wo blieb der Rest?" — Konrad, die Hand erhoben — 
Der Anblick kündet sein geheimes Weh! — 
Zeigt auf die Schaar, die, weitumher zerstoben, 
Ohn' Ordnung irrt, und tief versinkt im Schnee. 
Das drängt und tritt sich, gleich wie eine Schaar 
Gewürm's, vereint in engen Krugs Bereiche: 
Hinunterstürzt, was kaum geklommen war 
Hinan auf Leichen — selber eine Leiche. 
Die Einen noch mit starren Füßen wandern, 
Festfroren an den Weg im Lauf die Andern: 
Noch hält manch' steh'nder Leichnam hoch die Hand, 
Wegweiser gleich, hinan zur Stadt gewandt.
	        

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