Volltext: Konrad Wallenrod

I 
Durch Farbenfrische lockt sie Deine Blicke, 
Und breitet an der Wand im hohen Haus, 
Stellst in ihr Herz ein Licht Du mit Geschicke, 
Ob auch umschattet, bunte Tepp'che aus. 
Könnt' in der Hörer Herzen, in die kalten. 
Ich gießen meine Gluth, könnt' ich erneuern 
Vor ihrem Blick erstorbener Zeit Gestalten, 
Auf ihre Brust mit Donnerworten feuern, 
Sobald das Heimathlied ihr Ohr erreicht, 
Würd' in dem einz'gen Augenblick vielleicht 
Ihr Herz empfinden früh'rer Herzen Schlagen, 
Auf Augenblicke sich so hoch erheben. 
Zur Seelengröße von vergang'nen Tagen, 
Als ihre Ahnen einst ihr ganzes Leben! — 
Doch wozu die Vergangenheit erwecken? 
Noch lebt in unsrer Näh' ein großer Mann - 
Der Sänger soll nicht seine Zeit beflecken —, 
Ihm will ich singen, ehrt ihn, hört mich an! 
Der Greis verstummt, und lauscht den Saal entlang, 
Ob wohl die Deutschen noch Gehör ihm geben; 
Rings dumpfes Schweigen: Alles lauscht dem Sang, 
Das pflegt auf's Neu den Sänger zu beleben. 
Nur schwach und selten greift er in die Saiten, 
Zum Lied mit anderm Inhalt, anderm Schall,
	        

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