Full text: Konrad Wallenrod

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Der Ritter Wehr in Dir das Volk bewahrt, 
Des Geists Gespinnst, des Herzens Blüthenhage! 
Du Arche, die noch keinem Hieb erlag, 
So lang Dein Volk Dir keine Schande machte, 
Du Volkslied, das die Tempel treu bewachte 
Der Volkserinnerungen, gut bewehrt 
Mit des Erzengels Stimm' und Flügelschlag, 
Zu Zeiten schwingst Du auch Erzengels — Schwert! 
Die Flamme zehrt die Bilder der Geschichte, 
Des Räubers Schwert macht jeden Schatz zu nichte. 
Das Lied — entflieht, und lebt im Volke fort; 
Versteh'n es schlichte Seelen nicht, zu nähren 
Mit Leid, zu tränken nicht mit Hosfnungszähren, 
Flieht's in die Berge, ruht auf Trümmern dort, 
Erzählet uns von längst vergang'nen Zeiten; 
So fliegt davon aus brennendem Gemache 
Die Nachtigall, macht Halt noch auf dem Dache, 
Und flieht, stürzt auch das Dach, in Waldesweiten; 
Auf Schutt und Gräbern bang ihr Klagelied 
Dem Wandrer singt sie, der vorüberzieht. 
Ich hört' es einst: An hundert Jahre alt, 
Stillstand, und sang zur Weidenflöt' ein Bauer, 
Als auf Gebein er stieß mit seinem Schar, 
Den Todten ein Gebet, ein Lied der Trauer,
	        

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