Full text: Konrad Wallenrod

„O, Kinder, Litthau'n wahrlich macht es Schande, 
„Daß Niemand bot mir — Niemand Hülfe dar, 
„Als man mich schleppt' in deutscher Knechtschaft Bande, 
„Den Wajdelotengreis vom Hochaltar. 
„Einsam ich ward in fremdem Land zum Greise, 
„Nach Litthau'n weint' ich mir die Augen aus, 
„Ein Sänger — ach! Wem sing' ich meine Weise? 
„Heut, wollt' ich Seufzer senden auch nach Haus, 
„Ich wüßte nimmer, ob nach Süd, nach Nord, 
„Nach welcher Richtung liegt mein Heimathsort! 
„Hier in der Brust nur wahrt' ich, ewig jung, 
„Was mir im Vaterlande war das Beste — 
„Hinnehmt, Ihr Deutschen, denn die kargen Reste 
„Uralter Schätze der Erinnerung! 
„Dem Ritter gleich, der, im Turnier geschlagen, 
„Das Leben zwar gerettet, doch entehrt, 
„Verhöhnt, es schleppt dahin in Trauertagen, 
„Wie dieser sich zu seinem Sieger kehrt, 
„Anstrengt die Arme noch zum letzten Mal, 
„Bis unter Jenes Fuß zerbricht der Stahl — 
„So hat auch mich die letzte Lust begeistert: 
„Litthauens letztes Lied vor seinem Tod, 
„Indeß die Hand der Laute sich bemeistert, 
„Sing' Euch Litthauens letzter Wajdelot!"
	        

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