Full text: Konrad Wallenrod

Konrad nimmt Platz. Die Ellbogen gestemmt, 
Verächtlich hört er das Geschwätz der Zecher; 
Da plötzlich ist der wilde Lärm gehemmt, 
Kaum stört ein Witz den leisen Klang der Becher. 
„Seid fröhlich!" ruft er „Doch, Ihr Brüder, Wie? 
„Erst trunkner Lärm, und jetzt Gemurmel leise? 
„Solch Fröhlichsein geziemt uns Rittern nie, 
„So schmaust man nur im Mönchs-, im Räuberkreise! 
„Ganz anders war der Brauch zu meinen Tagen! 
„Wenn unter Leichen wir, nach dem Gefecht, 
„In Finnlands Wäldern, auf Castiliens Hagen, 
„An hellen Lagerfeuern froh gezecht: 
„Da gab es Lieder! Sollt' in Eurem Volke 
„Kein Barde mehr, kein Meistersänger fein? 
„Der Wein verscheucht des Herzens Kummerwolke, 
„Doch für den Geist ist nur ein Liedchen — Wein!" 
Sofort erschallen mancherlei Gesänge: 
Hier preisen Konrads Muth und Frömmigkeit, 
Des feisten Welschen Nachtigallenklänge, 
Dort singt die Mähr von der verwunfchnen Maid, 
Von Ritterfahrten, Hirtenliebeswonne, 
Der Troubadour vom Ufer der Garonne«
	        

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