Full text: Konrad Wallenrod

„Glück, Liebe, ja den Himmel hinzugeben, 
„Schmerzvoll, doch muthig, lehrte mich das Loos — 
„Heut bin ich alt — Gott, Pflicht, Verzweiflung senden 
„Mich in die Schlacht, doch wagt zu scheiden nicht 
„Mein graues Haupt von dieses Thurmes Wänden, 
„Nicht das zu missen, was Dein Mund mir spricht!" 
Er schweigt. Vom Thurme seufzt es voller Qual; 
Im Schweigen flohen Stunden schnell, im bangen. 
Aus Nacht wird Tag. Der Morgenröthe Strahl, 
Indeß im Schlummer ruh'n noch Busch und Strauch, 
Vergoldet schon des stillen Weihers Wangen; 
Im Laub nur weht des Morgens kühler Hauch. 
Die Vöglein leis erwiedern's in den Zweigen, 
Verstummen wieder, und ihr langes Schweigen 
Verräth, daß heut zu früh erwacht ihr Chor. 
Den Blick mit Wehmuth heftend an das Gitter, 
Erhebt sich Konrad, seufzt zum Thurm empor. 
Fern singt die Nachtigall. Es tagt. Der Ritter, 
Rings spähend, das Visir herniederläßt, 
Winkt, scheidend, mit der Hand der Klausnerin, 
Den Mantel hüllt er um das Antlitz fest, 
Und schwand im Dickicht hin, 
Als sei von Klausners Pforte wohl entfloh'n 
Ein Höllengeist bei Frühmettglockenton.
	        

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