Full text: Konrad Wallenrod

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„Wer sprach von hoffen?" — ruft er höhnisch wild. 
„Wozu dies Lied? Dein Glück im Aug' ich habe: 
„Du wardst zuerst begehrt zum Ehebunde 
„Von schönen Schwestern drei, der Mutter Labe... 
„Weh! holden Blümlein Euch! Zur Unglücksstunde 
„Sich in den Garten eine Natter stahl; 
„Das Gras verdorrt, die Rose welkt im Haine, 
„Bleicht, wie der Natter Brust, mit fahlem Scheine, 
„Wo sie vorüberglitt ein einzig Mal. 
„Entflieh' im Geist: gedenk' der frohen Tage, 
„Die, wenn Du nicht ... Du schweigst? ... So sing' 
und weine!... 
„Du noch verleben konntest ohne Plage... 
„Wenn Du ... hier falle sie... ich bin bereit... 
„Hier, glühend auf die Stirn, des Helms beraubt, 
„Die Thräne; daß sie, die eindringt in dw Steine, 
„Nicht rinn' umsonst, entblöß' ich ihr mein Haupt, 
„Erduld' ich Höllenqualen vor der Zeit!" 
Stimme aus dem Thurme: 
„„Vergieb, Geliebter, mir; die Schuld ist mein: 
„„Mir unbewußt, aus meiner Kindheit Tagen — 
„ „Du kamst so spät... mit Sehnsucht harrt' ich Dein — 
„„Einfiel ein Lied ... Fort mit ihm! ... Darf ich klagen? 
„ „Mit Dir vereinten, Theurer, die Geschicke 
„ „Mich nur in einem flücht'gen Augenblicke... 
„ „Doch möcht' ich ihn nicht für ein ganzes Leben
	        

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