Full text: Konrad Wallenrod

Du, holder Jüngling, der mir sagen mußte, 
Wovon vorher in Litthau'n Niemand wußte: 
Vom großen Gott, vom Engelchor, dem Hellen, 
Der Stadt von Stein, worin der Glaube wohnet. 
Wo betend Volk in herrlichen Kapellen, 
Wo hoch die Jungfrau über Fürsten thronet. 
Gleich unsern Rittern, kühn im Schlachtgetriebe, 
Und heiß, wie unsre Hirten, in der Liebe. 
Wo sich die Seele schwingt zu Himmelspforten, 
Entkleidet sich der Mensch der Erdenhülle — 
Da glaubt' auch ich, und, lauschend Deinen Worten, 
Schon ahnt' ich, ach! des Himmels Freudensülle! 
Seitdem in Glück und Unglück mußt' ich träumen. 
Von Dir allein, und — fernen Himmelsräumen! 
Das Kreuz auf Deiner Brust mich reich beglückte, 
Ich sah in ihm ein glücklich Zukunftzeichen; 
Doch ach! als dieses Kreuz nur Blitze zückte, 
Sah Alles rings verstummen ich, erbleichen. 
Ich klage nicht, ob auch die Thränen troffen, 
Du nahmst mir Alles, doch mir blieb — das Hoffen! 
Und Hoffen! schallt es leis im Wiederhalle, 
Vom Seegestade, Forst und Thalgefild. 
„Wo bin ich?" Konrad, jäh erwacht vom Schalle,
	        

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