Full text: Konrad Wallenrod

J ifc- i 
Med Ms dem Thurme. 
Wer kann die Seufzer mir, die Thränen zählen? 
Durchweint' ich Jahre schon so heiß, so bitter, 
Kann so viel Herbes Aug' und Herze quälen. 
Daß von den Seufzern rostet mir das Gitter? 
Wie in ein warmes, weiches Menschenherze, 
Eindringt in kalt Gestein — die Thrän' im Schmerze. 
Ein ewig Feuer birgt Schloß Swentoroga^ — 
Das Feuer frommen Sinns die Priester pflegen; 
Ein ew'ger Quell entspringt dem Berg Mendoga — 
Den Quell ernähren Schnee und Thau und Regen: 
Doch mir stillt Niemand Thränen und Verlangen, 
So sehr erfüllt mir Herz und Auge Bangen. 
Des Vaters Gunst, der Mutter hold Gekose, 
Ein reiches Schloß und lachende Gefilde, 
Traumfreie Nächte, Tage, sorgenlose, 
Solch' Frieden war mir nah, mit Cngelsmilde 
Bei Tag, bei Nacht, daheim und auf den Fluren 
Mich hütend, sah ich nie auch seine Spuren. 
Von schönen Töchtern drei, der Mutter Labe, 
Ward ich zuerst begehrt zum Ehebunde; 
Ein Glück ist — Jugend, Wohlstand, reiche Habe... 
Wer gab zuerst von anderm Glück mir Kunde?
	        

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