Full text: Konrad Wallenrod

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Den Wunsch versagten ihr die Priester lange, 
Bis man, besiegt von ihrer Bitten Drange, 
Den Thurm ihr gab zum stillen Zufluchtsorte; 
Und Ziegel wälzte man davor, Gestein; 
Als hinter ihr sich schloß die heil'ge Psorte, 
Da war mit Gott sie, und mit sich — allein. 
Das Thor, das sie vom Leben trennt, ihr mag 
Gin Engel öffnen nur am jüngsten Tag. 
Luft beut der Himmel, Licht im Tagesstrahle, 
Und droben durch das Gitterfenster reicht, 
Ihr Nahrung manchmal frommes Volk vielleicht. 
Hat, arme Sünderin, im Erdenthale 
Dir Haß, so jung, das Herz zerrüttet schon, 
Daß Du der Sonne bist, dem Tag entfloh'n? 
Als sie verschlossen kaum im Grabesraume, 
Anschauen je des Himmels heitre Zier, 
Den frischen Windhauch schlürfen mit Begier, 
Hat Niemand sie gesehn am Fenstersaume, 
Sie sah die holden Blüthen nicht der Erde, 
Noch eines Menschen holdere Geberde; 
Man wußte nur, daß noch sie sei am Leben: 
Festhielt ein süßer Klang mit Zaubermacht 
Manchmal den Pilger, der vorüber eben 
An ihrem Zufluchtsort geirrt bei Nacht, — 
Ein Lied, wie es erschallt am Hochaltare.
	        

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