Full text: Konrad Wallenrod

Ihm schon in Haar und Wange das Gepräge 
Des Alters, ihm, der noch ein Jüngling nur? 
Wer kann es rathen? Scheint es doch zuweilen, 
Als woll' er Frauen im Gespräch belauschen, 
Ja, selbst der Jugend frohe Kurzweil theilen, 
Mit Cavalieren Scherz um Scherze tauschen. 
Den Damen spenden süße Schmeichelei, 
Kalt lächelnd, gleich wie Kindern Leckerei. 
Doch sind nur Augenblicke, seltne, das 
Des Selbstvergessens: Andern insgesammt 
Bedeutungslos; ein einzig Wort, ein Spaß, 
Erweckt ihn, und zur Leidenschaft entflammt; 
Wenn es von Liebe, Vaterland und Pflicht, 
Vom Kreuzzug, oder Litthauen nur spricht, 
Vergiftet's Wallenrod den Freudentraum: 
Gefühllos wieder wird er, wie vorher, 
Abwendet er sich, der es hörte kaum. 
Versenkt in düstern Stolz sich mehr und mehr. 
Vielleicht, sich heiligen Berufs bewußt, 
Versagt er selbst sich all' der Erde Lust. 
Nur einzig kennt der Freundschaft Wonnen er; 
Doch einen Freund er nur sich zuertheilte: 
Von heil'ger Tugend und aus frommem Stand, 
Das war ein grauer Mönch, Halb an genannt, 
Der in der Einsamkeit auch bei ihm weilte, 
Der Seelenbeichtiger ihm war und Vater, 
Vertrauter ihm des Herzens und Berather.
	        

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