Full text: Konrad Wallenrod

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sereien und in Erwartung der Hülfstruppen verschwendet 
hätte. Der Herbst überraschte Wallenrod. Das Lager 
war ohne Lebensmittel; in größter Unordnung floh er 
nach Preußen. 
Die Chronisten und späteren Historiker können ben 
Grund seines so plötzlichen Rückzuges nicht ermitteln. Sie 
finden in den r.maligen Umständen dazu keinen Anlaß. 
Einige schreiben die Flucht einer Geistesverwirrung Wallen- 
rod's zu. Alle hier angeführten Widersprüche im Cha 
rakter und in den Handlungen unseres Helden lassen sich 
aber versöhnen, wenn wir annehmen, daß er Litthauer 
war und in den Orden eintrat, um sich an ihm zu rächen. 
Allerdings hat seine Herrschaft der Macht des Ordens den 
empfindlichsten Schlag beigebracht. Nehmen wir an, daß 
Wallenrod jener Walter von Stadion war, so ver 
kürzen wir die Zeit zwischen der Abreise Walters aus 
Litthauen und der Ankunft Wallenrod's in Marienburg 
nur um etwa zehn Jahre. Wallenrod starb im Jahre 
1394 eines plötzlichen Todes; wunderbare Ereignisse soll 
ten seinen Tod begleiten: Er starb, sagt die Chronik, 
in Raserei, ohne letzte Oelung, ohne Priester 
segen. Kurz vor seinem Tode wütheten Stürme, 
Regengüsse, Wasserfluthen; die Weichsel und 
die Nogat durchbrachen ihre Dämme .... hin 
gegen wühlten die Gewässer sich eine neue 
'Tiefe da, wo jetzt Pillau steht. — Halban, oder, 
wie ihn die Chronisten nennen, Doctor Leander von 
Albanus, ein Mönch, der einzige und unzertrennliche 
Begleiter Wallenrod's war, obgleich er Frömmigkeit 
heuchelte, doch den Chronisten ein Ketzer, ein Heide, viel 
leicht gar ein Zauberer. Ueber das Ende Halban's fehlen 
sichere Nachrichten. Einige berichten, daß er ertrank; 
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