Full text: Konrad Wallenrod

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Fenstern oder irgendwo in seiner Gegenwart Wehe! 
(Biada!) ausrief. Dieses Wort, dreimal wiederholt, war 
eine Warnung. Wer es hörte, bereitete sich zum Tode, 
welchen er unfehlbar und unverhofft von unsichtbarer 
Hand empfangen sollte. 
Das Vehmgericht hieß auch noch das heimliche oder 
westphälische Gericht. Schwierig ist zu entscheiden, 
wann es seinen Anfang nahm. Nach Einigen soll es von 
Karl dem Großen gestiftet sein. Anfangs nothwendig, 
gab es späterhin Anlaß zu verschiedenen Mißbräuchen, 
und bisweilen waren die Regierungen genöthigt, die Rich 
ter selbst zu bestrafen, bis-diese Einrichtung gänzlich auf 
gehoben wurde. 
Wir nannten unsere Erzählung eine historische, 
denn die Charaktere der handelnden Personen und alle 
wichtigeren in ihr erwähnten Begebenheiten sind nach der 
Geschichte gezeichnet. 
Die Chroniken jener Zeit sind in einzelnen Schriften 
zerstreut, so daß Manches nur errathen und durch Ver 
muthungen ergänzt werden muß, wenn aus ihnen irgend 
ein historisches Ganze geschaffen werden soll. 
Obgleich ich mir in der Geschichte Wallenrod's Ver 
muthungen gestattete, hoffe ich sie durch Wahrscheinlichkeit 
zu rechtfertigen. Nach der Chronik stammte Konrad 
Wallenrod nicht von dem in Deutschland berühmten Ge 
schlechte der Wallenrod ab, obgleich er sich für ein Glied 
desselben ausgab. Er soll Jemandes natürlicher Sohn 
gewesen sein. Die Königsberger Chronik (ber Wallenrod- 
schen Bibliothek) sagt: Er war ein Pfasfenkind. 
Ueber den Charakter dieses sonderbaren Menschen lesen 
wir verschiedene und widersprechende Angaben. Der größere 
Theil der Chronisten wirft ihm Stolz, Grausamkeit, Trunk-
	        

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