Full text: Konrad Wallenrod

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Nisse der Geschichtsschreiber. Wir lesen bei Stryikowski, 
daß der Kaplan am Grabe der Fürsten ihre Thaten 
besang; daß zu den Zeiten Michowita's das Lied von dem 
von russischen Fürsten erschlagenen Fürsten Sigismund 
recitirt wurde. 
Aber das interessanteste und wichtigste Detail in dieser 
Beziehung findet sich in dem deutschen Werke: „Versuch 
einer Geschichte der Hochmeister", Berlin 1798. 
Becker, der Autor dieses schätzbaren Werkes, citirt die 
uralte Chronik Vincents von Mainz, des Hofkaplans bei 
dem Hochmeister Dusener von Arfberg, und des Geschichts 
schreibers seiner Zeit (I. 1346). Unter Anderm lesen 
wir, daß während des großen Schmauses bei Gelegenheit 
der Wahl des Hochmeisters Winrich von Kniprode ein 
deutscher Minnesänger sang, der mit Beifall und einem 
goldenen Becher beehrt wurde. Die so gute Aufnahme des 
Dichters ermunterte einen anwesenden Preußen, Namens 
Rizelus; er bat daher um die Erlaubniß, in seiner lit- 
thauischen Muttersprache singen zu dürfen, und pries die 
Thaten Wajdewut's, des ersten Litthauerkönigs. Der Hoch 
meister und die Kreuzherrn, welche die litthauische Sprache 
weder verstanden, noch liebten, verlachten den Dichter und 
gaben ihm als Geschenk einen Teller tauber Nüsse. — 
(Kotzebue führt zwar die Sage an, scheint aber das Vor 
handensein der Handschriften-Chronik Vincents zu bezwei 
feln. In der Szczorsowskischen Bibliothek jedoch befindet 
sich, in einer Sammlung von Abhandlungen der Danziger 
Studenten, das Schriftchen eines gewissen Taschke v. I. 
1735, wo der Autor die Chronik Vincents als in Frank 
furt gedruckt citirt, und nachweist, daß der erwähnte 
Vincent kein Mainzer, sondern ein Danziger war). 
Man darf also die Behauptungen Kotzebue's und 
Bohusz's nicht für lächerlich halten, daß die litthauische 
Mickiewicz, Konrad Wallenrod. 7
	        

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