Full text: Liederbuch für die im Gutenbergbunde vereinigten Buchdrucker

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2. Er ist niemals gestorben, Er lebt darin noch jetzt, Er hat im 
Schloß verborgen Zum Schlaf sich hingesetzt. 
3. Er hat hinabgenommen Des Reiches Herrlichkeit, Und wird einst 
wiederkommen Mit ihr zu seiner Zeit. 
4. Der Stuhl ist elfenbeinern, Darauf der Kaiser sitzt, Der Tisch ist 
marmelsteinern, Worauf sein Haupt er stützt. 
3. Sein Bart ist nicht von Flachse, Er ist von Feuersgluth, Ist durch 
den Tisch gewachsen, Worauf sein Knie ausruht. 
6. Er nickt als wie im Traume, Sein Aug' halb offen zwinkt, Und 
je nach langem Raume Er einen Knaben winkt. 
7. Er spricht im Schlaf zum Knaben: „Geh' hin vor's Schloß, o 
Zwerg, Und sieh', ob noch die Raben her fliegen um den Berg!" 
8. „Und wenn die alten Raben Noch stiegen immerdar, So muß ich 
auch noch schlafen Verzaubert hundert Jahr!" 
Friedrich Rückert. 
193. 
Eigene Melodie. Auch: Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll. 
1. Was zieht bei Wien in grüner Au, Wo sonst nur Lust erschallt', 
So still durch frischen Morgenthau, Bis laut es donnert: Halt! Das ist 
der Troß der Tyrannei — Er zieht hinaus so stumm, Den Tod zu geben 
durch das Blei :,: D em Helden Robert Blum!:,: 
2. Sie führen ihn zum blut'gen Tod, Weil er mit Wort und That 
Der feigen Tyrannei gedroht Zu Wien, der kühnen Stadt. Sie führen 
ihn zum Sterben hin, Weil er zu ew'gem Ruhm Für deutsche Frei 
heit focht zu Wien, :,:Der edle Robert Blum!:,: 
3. Die Büchsen sind geladen schon — Er steht vor ihrem Lauf; Da 
ist's so stille — nicht ein Ton Steigt rings zum Himmel auf. Doch sieh'! 
da zieht um's Angesicht — Wie Alles ist so stumm — Ein seliges Ver 
klärungslicht :,:Dem Helden Robert Blum!:,: 
4. Zieht ihm gewaltig durch die Brust Ein freudiges Gefühl, Das 
küßt mit süßer Todeslust Die heiße Stirn ihm kühl. Es ist ihm so, als 
müßt' sein Tod Der Freiheit Heiligthum Dem Volke bringen, blutigroth, 
:,:Der edle Robert Blum!:,: 
3. Da kniet er in das grüne Gras, Entblößt die Brust dem Blei, 
Und spricht zu seinem Schergen: „Laß, Laß mir das Auge frei!" 
Und wie er kniet und wie er's spricht, Da knallt es — dann ist's stumm, 
Und todt liegt auf dem Angesicht :,:Der edle Robert Blum!:,: — 
6. Der Hauptmann zog mit seinem Troß Vom blutbespritzten Ort, 
Jn's Aug' ihm eine Thräne schoß, Er sprach noch lang' kein Wort. Doch 
sieh'! was über'm Volke kreist, Laut rufend, nimmer stumm: „Zum Kamps! 
zum Kampf!" — das ist der Geist :,:Des Helden Robert Blum!:,: 
Herrmann Rollett. 
196. 
1. Wer ist der Ritter hochgeehrt. Der dort im Osten zieht? Wer ist's, 
vor dessen Flammenschwert der Freiheit Feind entflieht? Wer ist's, der dort 
im Siegesglanz Vor allen Völkern steht, Um dessen Stirn der Lorbeerkranz 
Von so viel Siegen weht? Du glücklich Ungarn freue dich, Dein Koffuth 
kühn und ritterlich, Dein Koffuth, dein Koffuth, Der stolze Ungarheld!
	        

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