Full text: Liederbuch für die im Gutenbergbunde vereinigten Buchdrucker

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119. 
1. Was ist das für ein durstig Jahr! Die Kehle lechzt mir immer 
dar, Die Leber dorrt mir ein. Ich bin ein Fisch auf trocknem Sand, Ich 
bin ein dürres Ackerland; O schafft mir, schafft mir Wein! 
2. Was weht doch jetzt für trockne Luft! Kein Regen hilft, kein Thau, 
kein Duft, Kein Trunk will mir gedeihn, Ich trink im allertiefsten Zug, 
Und dennoch wird mir's nie genug, Fällt wie auf heißen Stein. 
3. Was herrschet für ein hitz'ger Stern! Er zehrt mir recht am innern 
Kern, Und macht mir Herzenspein. Man dächte wohl, ich sei verliebt, Ja, 
ja, die mir zu trinken giebt, Soll meine Liebste sein! 
4. Und wenn es euch wie mir ergeht, So betet, daß der Wein geräth, 
Ihr Trinker insgemein! O! heil'ger Urban! schaff' uns Trost! Gieb Heuer 
uns viel guten Most, Daß wir Dich benedei'n! 
uhland. 
120. 
Mel.: Feinde ringsum. 
1. Gläser zur Hand! Daß unter lustigem Klingen Heitre Lieder wir 
singen, Gläser zur Hand! 
2. Brüder, schenkt ein! Mürrische suchen die Stille, Unser ist ja doch 
der Wille, Fröhlich zu sein! 
3. Munter stoßt an! Weise benutzet die Stunden, Die ihr auch hier 
habt gefunden, Wieder stoßt an! 
4. Alle trinkt aus! Verschönt euch gesellig das Leben, Fröhliche Stun 
den entschweben Heute dem Schmaus. 
3. Sorge entflieh! Lieblich ertönen die Becher, Heiterer werdet, ihr 
Zecher, Heiter wie wir! 
6. Wieder schenkt ein! Bleibet nur immer jetzt heiter, Trinkt und singt 
— und so weiter— Immer schenkt ein! 
7. Wieder schenkt ein! Gutenbergs herrlichem Feste Gilt es, ihr 
fröhlichen Gäste! Immer schenkt ein! 
Leipzig. H. Heinlein.* 
121. 
Eigene Melodie. 
1. Das Essen, nicht das Trinken, Bracht' uns ums Paradies. Was 
Adam einst verloren Durch seinen argen Biß, :,:Das giebt der Wein uns 
wieder, Der Wein und frohe Lieder.:,: 
2. Und als die Welt auf's Neue In Baucheslust versank; Und in der 
Sünde Fluthen Die Kreatur ertrank, Blieb Noah doch am Leben, Der 
Pflanzer edler Reben.:,: 
3. Er floh mit Weib und Kindern, Wohl in sein größtes Faß; Das 
schwamm hoch auf den Fluthen, Und keiner wurde naß. :,: So hat der 
Wein den Frommen Dem Waffertod entnommen.:,: 
4. Und als die Fluth zerronnen, Da blieb das runde Haus Auf einem 
Berge sitzen, Und Alle stiegen aus, :,: Begrüßten froh das Leben, Und 
pflanzten neue Reben. :,: 
5. Das Faß blieb auf dem Berge Zum Angedenken steh'n, Zu Heidel 
berg am Neckar, Könnt ihr es selber sehn :,:Nun wißt ihr, wer die Reben 
Am Rhein uns hat gegeben.
	        

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