Full text: Die deutsche Heldensage

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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 84 
Gottfried macht dieselbe Bemerkung, die vor ihm schon Otto 
von Frcisingen gemacht hatte. Doch behält er einen Irrthum 
der Sage bei, indem er den Ermenrich V eroueniis nennt, was 
nur drn Gedichten nach richtig sey kann, und zwar nur in so 
weit, als Ermenrich nach Dieterichs Bertreibung Bern in seine 
Gewalt bekommt. 
33. 
•Sst.ro Grammaticus. Zweite Halste des Illten Jahrh, 
(ed. Stephan.) 
1) L. VIII. p. 154-57- Jarmerich, der sich aus der 
Gefangenschaft des slavischen Königs Jsmarus befreit und 
seinem Oheim Budli das väterliche Reich wieder abgcnom 
men hat, laßt auf einem hohen Felsen eine feste Burg mit <7) -> 
vier Thoren nach den vier Weltaeaendcn prächtig und wun- JMxyJln. 
derbar erbauen und bringt dort seine Reichthümer in Si- ^ 
cherheit. Hierauf geht er in die See. Es begegnen ihm vier " ^ ' ' 
Brüder, von Geburt Hellespontier, die Seeräuberei treiben. ] rrr i 
Nach dreitägigem Kampfe zwingt er sie, ihm ihre Schwester k. .0 
und die Halste ihrer Beute zu überlassen. B i c c o, ein Königs- - 5a. 
söhn, wird jetzt aus der Hellespontier Gefangenschaft befreit und 
begibt sich zum Jarmerich, hat es aber nicht vergessen, daß die 
ser vordem ihn seiner Brüder beraubt hatte. Um dafür Rache 
nehmen zu können, erwirbt er das Vertrauen Jarmerichs und 
verleitet ihn dann zu jeglichem Verbrechen, vor allem aber zur 
Vertilgung seines eigenen Geschlechts. 
Jarmerichs Schwestersöhne werden in Deutschland er 
zogen, aber Jarmerich nimmt sie gefangen und laßt sie nach 
seiner Hochzeit mit der Schwester der Hellespontier erdrosseln. 
— Brod er, Sohn Jarmerichs aus einer früheren Ehe, wird 
von Bicco eines verbrecherischen Umganges mit sei 
ner Stiefmutter beschuldigt. Er soll aufgehängt wer 
den, Swawilda aber von Pferden zertreten. Doch 
die Thiere wollen ihre glänzende Schönheit nicht anrühren, 
bis Bicco sie umkehren läßt. Broders Hund kommt wie 
weinend zum Jarmerich, sein Habicht zieht sich die Federn aus. 
Daran merkt er, daß Broders Tod ihn kinderlos machen würde, 
und befreit ihn noch zu rechter Zeit. Die Diener nämlich hat 
ten aus Biccos Anordnung ein Brett unter den Galgen hal 
ten müssen, auf dem Broder stand, so daß er dann erst den 
Tod empfieng, wenn jene müde die Hände wegzogen; der 
Mord sollte auf diese Weise ihnen, nicht dem Vater zur Last 
gelegt werden.
	        

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