Full text: Lateinische Gedichte des X. und XI. J[ahr]h[underts]

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 72 
ECBASIS. 
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nach A, für schwierige verse und ausdriicke wurde ß, 
im einzelnen nicht durchgängig verglichen. 
Da vers 1224 das gedieht selbst nur zu 1170 Zei 
len anschlägt, so scheinen, wenn man die fünf noch 
weiter folgenden nicht berücksichtigt, ihrer 54 einge 
schaltet. Oder darf der 49 verse füllende prolog abge 
zogen werden und für spätere zufügung gelten? es 
träfe beinahe. Sonst aber lassen sich gerade auch ei 
nige fünfzig aus Horaz eingetragne verse nacliweisen ; 
beruht auf ihnen die interpolation ? wir wollen im ver 
folg näher zuselin. 
Der klostername des Verfassers, obwol diesen die 
rubrik nur als quidam bezeichnet, mag kein andrer als 
Malchus sein, dem dichter gefällt, ihn in das werk selbst 
zu verstecken: am liofe des löwen w r erden den tisch- 
gästen vom einhorn die fortia gesta illustris monachi 
captbi, nomine Malchi vorgesungen (583-588), das me- 
morabile Malchi (790.) der monachus captivus ist der 
quidam, dessen flucht, oder eebasis, aus dem kloster 
geschildert wird, verhüllt in die fabel von einem aus 
seinem stall entrinnenden kalb, darauf deutet auch der 
ausdruck ‘per tropologiamwelcher den ausgang des 
kalbs figürlich zu nehmen räth. Wahrscheinlich floh 
der Verfasser nicht einmal wirklich, sondern wünschte 
sich nur ledig, entweder seiner verschuldeten haft im 
kloster, oder des klosters überhaupt: er nennt sich v. 
58 claustrali carcere septum, und vergleicht sich 66. 
67 dem kalb, dessen geschickte er vortragen will, in 
dieser erzählung heilst es v. 191 : ut me conspiciunt, 
wo dem Zusammenhang nach vitulum gefordert wird, 
hieraus geht hervor, dafs der Verfasser, dem dies me, 
vielleicht absichtlich entschlüpft, unter dem kalb ver 
borgen liegt. Man weifs sonst das geringste nicht von 
den merkwürdigen begebenheiten eines Malchus: die
	        

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