Full text: Lateinische Gedichte des X. und XI. J[ahr]h[underts]

RUODLIEB. 
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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 72 
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halb sei es von siechthum frei und so langes lebens. 
Endlich bietet er, bis zu voller erfüllung seine gattin, 
ein anmutiges, zierliches Weibchen, das er aus der 
liöle herbeiruft, dem zweifelnden als geisel an. Was 
als fragment XVIII fol. 34 b nun noch folgt, sind un 
zusammenhängende, vom dichter vielleicht zu anderm 
zwecke oder im voraus gearbeitete und schon früher- 
hin auf dieser pergamentseite niedergeschriebene stellen. 
Unter anderm wird eine jungfrau als fliegen verscheu 
chende Wärterin aufgestellt und (wem?, von wem?) 
ein paar wie es scheint lederner Weinflaschen (lagenae), 
die, wol scherzweise, auch Stiefel (ocreae) genannt wer 
den *), lobpreisend dargeboten. Dafs indessen diese 
verse dennoch auch zur vorliegenden dichtuug gehören 
möchten, ist dadurch wahrscheinlich, dafs auf der rück- 
seite von fol. 1, leider von der scheere sehr übel zu 
gerichtet, mehrere hexameter, hier als fragment XIX 
aufgeführt Vorkommen, in welchen ebenfalls von einer 
fliegen abwehrenden, und, was bedeutsamer, von einem 
( Bietmaro virtutibus undique claromit übergeschriebener 
Verbesserung , ‘nitnis hostihus ejus amaro ’ die rede ist. 
AVäre der dichter mit eigenen namen seiner bei 
den und heldinnen **) nicht so sparsam umgegangen, 
so würde sich eine etwaige berührung mit andern sa 
gen und dichtungen der vorzeit leichter herausfinden 
lassen. So aber sind die namen Raodlieb, Immunch, 
Hariunch, Heriburg, Staza, wozu vielleicht auch Dietmar 
genommen werden darf, sodann Jfrica, die einzigen, 
*) In der romanischen spräche bedeutet botta, bota, botte 
— woraus botiglia, botella, bouteille, eins wie das andere. 
**) waren sie etwa als bestimmte nicht in seiner wähl lie 
gende deutsche ins lateinische versmafs gar zu unbequem ? 
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J
	        

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