Full text: Lateinische Gedichte des X. und XI. J[ahr]h[underts]

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WALTHARIUS. 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 G 
bürg gefangen. mit diesem entspinnt Helgunda einen 
liebesliandel, löst ihn aus den banden und begibt sich 
auf die flucht, während ihr gemalil abwesend war. 
die treulose weifs hernach Walgerzs in Wislaws ge- 
walt zu locken und der held wird an die wand des 
speisesaals festgeschlossen, von wo er Wislaw und Hel- 
gunden täglich anschauen mufs. seine besondere be- 
wachung ist Wislaws häfslicher Schwester an vertraut; 
diese von liebe zu ihm gerührt schaft ihm eines nachts 
ihres bruders Schwert, mit welchem Walgerzs seine 
fesseln löst, Wislaw und Helgunden überfällt und beide, 
in einem streich tödtet. Noch zeigt man auf der bürg 
Wislicz Helgundens bild in stein gehauen. *) 
Wir haben hiermit den weiten umfang einer lange 
Jahrhunderte lebendigen, und nach verschiednen seiten 
eingedrungnen dichtung kennen gelernt, und nur zu 
beklagen, dafs sie nicht in der einheimischen alten dar- 
stellung erhalten worden ist. sie [würde, wie schon 
grundlage und entfaltung der begebenlieiten erwarten 
lassen, unter den epen unserer alten poesie bemerkbar 
hervorgeragt haben. 
Auch das läfst ihre volle kraft und bedeutsamkeit 
ahnen, dafs sie gerade in den edelsten stamm altdeut 
scher heldensage eingreift. Ilagene, eine liauptgeslalt 
des Nibelungenlieds, ist zugleich wesentlicher bestand- 
theil der dichtung von Walther, und seinen character 
ergänzen und erläutern sich beide werke. Walthers 
erwähnung, obgleich er in jenem liede selbst nicht auf- 
tritt, kann nicht darin vermieden werden. Günther, ein 
*) auch Procosii chronicon slavosarmaticum Vars. 1827 p. 
109. 129 weifs von Walgierz wdaly und Heligunda.
	        

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