Full text: Lateinische Gedichte des X. und XI. J[ahr]h[underts]

WALTHARIUS. 
J13 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 72 
teil aufsitzen und in den ström sprengend setzt pfeil 
schnell über, am andern uler schallt hinter den flie- 
henden die stimme des Alemannen: ‘lialt an, treuloser, 
du Jlolist mit der Königstochter heimlich, und ohne den 
zoll zu entrichten setzest du über den Rhein; zwei- 
kampf entscheid e zwischen uns, und dem sieger falle 
ros und wallen des besiegten, sammt Helgunda, zu!’ 
‘die mark goldes zahlte ich, und die Königstochter folgt 
mir aus freien stücken,’ versetzt Walgerzs. Ein hefti 
ger Kampf beginnt, und weil der Alcmanne Ilelgunden 
im äuge hat, ermutigt ihn ihr anblick so, dafs er Wal 
gerzs zum weichen bringt, bis dieser zurückschreitend 
sie nun auch anblickt. alsbald verdoppelt sich seine 
kraft, er dringt auf den gegner unwiderstehlich ein, 
und erschlägt ihn. Mit der beute des rosses, der Waf 
fen und mit Helgunda setzt er die reise fort, und langt 
glücklich in seiner bürg Tyniez an. 
In dieser erzahlung ist Walthers Kampf mit Hagen 
nicht zu verkennen, auch die Rheinüberfahrt stimmt, 
nur hat sich der weg umgekehrt, die liebenden kom 
men aus Frankreich und fliehen nach osten, während 
in der rechten sage sie aus Ungern gen westen eilen. 
Das werben nach der jung fr au durch nächtliche lieder 
gemahnt an Ilorant in Gudrun, und entdeckt uns viel 
leicht einen alten echten zug, der in den übrigen auf- 
fassungen verloren gegangen ist. auch die vom anblick 
der geliebten ausgehende Steigerung der heldenkraft be 
gegnet anderwärts. 
Nun aber schreitet die sage fort und scheint ganz 
in eine slavische, der deutschen dichtung fremde und 
sie störende Überlieferung auszuw eichen, die ich daher 
blofs kurz andeute. Walgerzs besiegt Wislaw den 
schönen, lierrn von Wislicz, und legt ihn in seiner 
8
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.